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Smarte Kaffeemaschine produziert nicht nur Kaffee – sondern auch 1 TB Netzwerkverkehr in zehn Tagen

KI-Generiertes Foto

Es gibt Geräte, bei denen man mit viel Datenverkehr rechnet. Ein NAS zum Beispiel. Ein Gaming-PC. Vielleicht noch ein Fernseher, der den halben Tag 4K streamt.

Und dann gibt es eine Kaffeemaschine.

Genauer gesagt eine Keurig K-Supreme SMART, die innerhalb von gerade einmal zehn Tagen und neun Stunden für mehr als 1.000 GB Datenverkehr gesorgt haben soll. Davon wurden laut Netzwerkstatistik rund 1.008 GB als Upload erfasst.

Ja, richtig gelesen:

Eine Kaffeemaschine. Ein Terabyte. Zehn Tage.

Da stellt sich schon die Frage, ob morgens wirklich nur Kaffee gebrüht wurde.

Aufgefallen ist das Ganze im UniFi-Netzwerk

Der Besitzer der Maschine bemerkte die ungewöhnliche Aktivität beim Blick in die Netzwerkstatistiken seines UniFi-Systems.

Die Zahlen waren ziemlich eindeutig:

  • Download: rund 9,94 GB
  • Upload: rund 1.008,45 GB
  • Zeitraum: etwas mehr als zehn Tage

Die Kaffeemaschine gehörte seinen Eltern, deren Netzwerk er betreut.

Seine verständliche erste Reaktion fiel ungefähr in die Kategorie:

Was zur Hölle lädt eine Kaffeemaschine mit einem Terabyte hoch?

Das Internet hatte natürlich sofort Antworten.

Von Kryptomining über Torrents bis hin zu deutlich kreativeren Theorien war alles dabei.

Wahrscheinlich kein geheimer Kaffee-Botnet-Knoten

Bevor jetzt jemand die Kaffeemaschine mit Alufolie umwickelt:

Nach Angaben des Besitzers hat offenbar der größte Teil dieses Datenverkehrs das eigene Netzwerk gar nicht verlassen.

Damit sieht die Sache deutlich weniger nach Datendiebstahl und eher nach einem ziemlich heftigen Software- oder Netzwerkfehler aus.

Seine Vermutung:

Irgendetwas im Netzwerk-Stack der Maschine dürfte sich aufgehängt haben und anschließend enorme Mengen internen Traffic produziert haben.

Ganz harmlos war das trotzdem nicht.

Der Datenverkehr belastete einen WLAN-Access-Point so stark, dass dieser praktisch ausgelastet wurde. In einem kleineren Netzwerk hätte das laut Besitzer durchaus dafür sorgen können, dass die gesamte WLAN-Verbindung in die Knie geht.

Alles wegen einer Kaffeemaschine.

Das muss man auch erstmal schaffen.

Neustart – und plötzlich war Ruhe

Die Lösung war erstaunlich klassisch:

Gerät neu starten.

Danach wurde die Kaffeemaschine zusätzlich in ein separates VLAN verschoben.

Seitdem trat das Problem offenbar nicht erneut auf.

Der Besitzer argumentiert deshalb auch, dass es wahrscheinlich kein klassischer Angriff gewesen sei. Hätte Schadsoftware dauerhaft versucht, Daten ins Internet zu übertragen, wäre das Verhalten vermutlich nach der erneuten Verbindung wieder aufgetreten.

Das geschah aber nicht.

Warum braucht eine Kaffeemaschine überhaupt Internet?

Die K-Supreme SMART gehört zu der Geräteklasse, bei der irgendwann jemand beschlossen hat, dass auch Kaffee ohne Cloud offenbar nicht mehr richtig funktioniert.

Die Maschine kann unter anderem:

  • bestimmte Kaffeekapseln erkennen
  • passende Brüheinstellungen aus dem Internet abrufen
  • Rezepte laden
  • mit Alexa und Google Home zusammenarbeiten
  • zeitgesteuert beziehungsweise aus der Ferne gestartet werden
  • mit einer Smartphone-App kommunizieren

Dazu kommen Belohnungsprogramme und Angebote für automatische Nachbestellungen.

Technisch durchaus interessant.

Aber ich gebe zu: Bei einer Kaffeemaschine gehört WLAN für mich ungefähr in dieselbe Kategorie wie ein Touchscreen am Kühlschrank.

Kann man machen.

Muss man aber vielleicht nicht unbedingt.

Besonders modern ist die Netzwerktechnik übrigens nicht

Interessanterweise unterstützt die Kaffeemaschine laut Beschreibung lediglich 2,4-GHz-WLAN mit WPA2-PSK.

5 GHz wird nicht unterstützt.

Man verbindet also ein Smart-Home-Gerät mit Cloudfunktionen dauerhaft mit dem Netzwerk – und bekommt dafür nicht einmal besonders moderne WLAN-Unterstützung.

Das macht die Geschichte nicht unbedingt beruhigender.

Die Waschmaschine sieht plötzlich richtig sparsam aus

Die Geschichte erinnert an einen früheren Fall, bei dem eine vernetzte LG-Waschmaschine rund 3,6 GB Daten pro Tag erzeugte.

Das erschien damals schon ziemlich viel.

Die Kaffeemaschine schafft rechnerisch jedoch etwa 100 GB pro Tag.

Damit wirkt die Waschmaschine plötzlich fast wie ein sparsames IoT-Gerät.

2026 ist offenbar das Jahr, in dem Haushaltsgeräte anfangen, sich gegenseitig beim Netzwerkverbrauch zu überbieten.

Ich warte noch auf den Toaster mit 10-Gigabit-Ethernet.

Das eigentliche Problem ist gar nicht der eine Fehler

Was ich an der Geschichte interessanter finde als die absurd hohe Zahl:

Viele IoT-Geräte hängen jahrelang vollkommen unbeobachtet im Heimnetz.

Man verbindet sie einmal mit dem WLAN und schaut danach nie wieder nach.

Solange alles funktioniert, fällt gar nicht auf, wie oft diese Geräte kommunizieren, wohin sie Verbindungen aufbauen oder wie viel Traffic sie erzeugen.

Deshalb ist eine Trennung solcher Geräte vom normalen Heimnetz durchaus sinnvoll.

Ein eigenes IoT-VLAN oder Gastnetz sorgt zumindest dafür, dass ein verrücktspielender Kaffeeautomat nicht unbedingt Zugriff auf NAS, PCs und andere wichtige Geräte bekommt.

Mein Eindruck

Ich bin grundsätzlich nicht gegen Smart-Home-Geräte.

Aber bei manchen Produkten frage ich mich schon, ob der Nutzen der Internetverbindung wirklich größer ist als die zusätzlichen Fehler- und Sicherheitsmöglichkeiten.

Eine Kaffeemaschine, die Rezepte aus der Cloud lädt, ist nett.

Eine Kaffeemaschine, die aufgrund eines Bugs einen Access Point mit rund einem Terabyte Netzwerkverkehr beschäftigt, ist dagegen eher weniger nett.

Und irgendwann kommt man zu der ziemlich simplen Erkenntnis:

Ein Knopf mit der Aufschrift „Kaffee“ hatte auch gewisse Vorteile.

Fazit

Eine Keurig K-Supreme SMART sorgte innerhalb von gut zehn Tagen für rund 1 TB als Upload erfassten Netzwerkverkehr.

Nach allem, was derzeit bekannt ist, handelt es sich dabei wahrscheinlich nicht um einen riesigen Datenupload ins Internet, sondern um einen Fehler, der überwiegend internen Netzwerkverkehr erzeugte.

Nach einem Neustart und der Verlagerung in ein separates VLAN war das Problem verschwunden.

Trotzdem zeigt der Fall ziemlich schön, warum es sich lohnt, vernetzte Haushaltsgeräte gelegentlich im Router oder Netzwerkmonitor anzuschauen.

Denn manchmal will die Kaffeemaschine eben nicht nur Kaffee kochen.

Manchmal möchte sie offenbar auch kurz das WLAN übernehmen.