Windows 11

Windows 11 Suche wird deutlich smarter – aber offenbar ganz ohne klassischen KI-Agenten

KI-Generiertes Foto

Microsoft arbeitet an einer neuen Suchfunktion für Windows 11, die auf den ersten Blick stark nach KI aussieht.

Denn künftig soll die Windows-Suche nicht nur Programme, Dateien oder Einstellungen finden, sondern auch verstehen, was man eigentlich verändern möchte.

Beispielsweise kann man sinngemäß etwas wie:

Make everything dark

eingeben – und Windows bietet direkt die passende Aktion zum Aktivieren des dunklen Designs an.

Mein erster Gedanke wäre dabei ebenfalls gewesen: Das ist doch wieder irgendein Copilot- oder KI-Agent im Hintergrund.

Nach ersten Tests sieht es aber offenbar etwas anders aus.

Die neue Suche wirkt erstmal deutlich aufgeräumter

Unabhängig von den neuen Funktionen wurde die Oberfläche der Windows-Suche überarbeitet.

Sie soll kompakter wirken und deutlich weniger leeren Platz verschwenden als bisher.

Auch die Animationen wurden verbessert. Beim Öffnen der Suche verändert sich beispielsweise das Suchfeld in der Taskleiste und zeigt eine kleine Animation an.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber genau solche Details machen am Ende oft den Unterschied zwischen „irgendwie drangeklatscht“ und einer Oberfläche, die sich tatsächlich rund anfühlt.

Die klassische Suche bleibt erhalten

Grundsätzlich funktioniert die neue Suche weiterhin so, wie man es kennt.

Man tippt beispielsweise:

  • einen Programmnamen
  • eine Datei
  • einen Ordner
  • eine Windows-Einstellung

und bekommt passende Treffer angezeigt.

Spannend wird es erst dann, wenn Windows erkennt, dass man eine Aktion ausführen möchte.

Dann erscheint neben dem Suchergebnis direkt eine passende Schaltfläche.

Einstellungen direkt über die Suche ändern

Das ist für mich eigentlich der interessanteste Teil.

Anstatt beispielsweise erst die Einstellungen zu öffnen und sich durch mehrere Untermenüs zu klicken, kann man den gewünschten Zustand direkt beschreiben.

Wenn Windows die Eingabe erkennt, lässt sich die Aktion sofort ausführen.

Nach einer Änderung erscheint außerdem eine Möglichkeit zum:

Rückgängig machen

Das ist sinnvoll, denn gerade bei solchen direkten Aktionen möchte man nicht jedes Mal wieder durch die Einstellungen zurücklaufen müssen, wenn man es sich anders überlegt.

Die Reaktion erfolgt praktisch sofort

Interessant ist, wie schnell das Ganze funktioniert.

Die passenden Aktionen erscheinen offenbar bereits während der Eingabe.

Man muss also nicht erst einen vollständigen Satz schreiben und Enter drücken.

Die Suche versucht schon beim Tippen zu erkennen, welche Windows-Funktion gemeint sein könnte.

Und genau hier wurde es interessant.

Denn bei einem klassischen Cloud-KI-System würde man eigentlich zumindest mit einer kleinen Verzögerung rechnen.

Funktioniert auch komplett offline

Beim Test wurde deshalb der Flugmodus aktiviert.

Wenn die Suche ihre Eingaben an einen Microsoft-Server oder ein Cloud-Modell schicken würde, müssten die neuen Funktionen dann eigentlich ausfallen.

Taten sie aber nicht.

Die Suche funktionierte weiterhin genauso schnell.

Auch die Aktionen wurden weiterhin direkt erkannt.

Das spricht zumindest stark dafür, dass die Verarbeitung lokal auf dem Rechner stattfindet.

Auch die GPU scheint kaum eine Rolle zu spielen

Während der Tests wurde zusätzlich die GPU-Auslastung beobachtet.

Dabei gab es keine auffällige Belastung.

Das beweist zwar nicht, dass überhaupt kein lokales Modell beteiligt ist – schließlich könnte auch etwas Leichtgewichtiges über die CPU laufen –, aber zusammen mit der Offline-Funktion deutet vieles darauf hin, dass Microsoft hier möglicherweise einen deutlich einfacheren Ansatz verwendet.

Vielleicht eher Intent-Erkennung als generative KI

Microsoft hat bislang nicht erklärt, was technisch genau dahintersteckt.

Eine naheliegende Vermutung wäre aber ein lokales Intent-Matching-System.

Also vereinfacht gesagt:

Windows versucht zu erkennen, welche Absicht hinter einer Eingabe steckt, und ordnet diese einer bekannten Systemaktion zu.

Das wäre etwas völlig anderes als ein allgemeines Sprachmodell, das frei auf Fragen reagiert.

Und die bisherigen Tests passen ziemlich gut zu dieser Erklärung.

„Mach alles dunkel“ wird verstanden

Ein Beispiel:

Die Eingabe:

Make everything dark

wurde korrekt als Wunsch verstanden, den Dark Mode einzuschalten.

Das System erkennt also nicht nur exakte Einstellungsnamen.

Es kann offenbar verschiedene Formulierungen einer bestimmten Aktion zuordnen.

Aber bei ungewöhnlichen Formulierungen wird es schwieriger

Bei:

Turn off the lights

hat Windows dagegen nicht einfach angenommen, dass damit der Dark Mode gemeint ist.

Stattdessen wurden Aktionen rund um:

  • Nachtlicht
  • dynamische Beleuchtung

angeboten.

Das ist eigentlich ziemlich aufschlussreich.

Ein allgemeiner KI-Assistent hätte möglicherweise versucht, den Kontext stärker zu interpretieren.

Die Windows-Suche scheint dagegen eher innerhalb einer begrenzten Menge bekannter Aktionen nach passenden Treffern zu suchen.

Kein versteckter Chatbot in der Windows-Suche

Noch deutlicher wurde das bei komplett normalen Gesprächsfragen.

Eine Eingabe wie:

What's for dinner?

lieferte keine sinnvolle Antwort.

Und das ist meiner Meinung nach sogar positiv.

Die Windows-Suche soll schließlich kein zweites ChatGPT oder Copilot werden.

Sie soll Windows bedienen.

Wenn sie genau das schnell und zuverlässig erledigt, reicht mir das völlig.

Der Unterschied zum KI-Agenten in den Einstellungen

Microsoft bietet auf Copilot+ PCs bereits einen KI-Agenten innerhalb der Windows-Einstellungen an.

Der kann ebenfalls natürliche Sprache verstehen und Änderungen am System vorschlagen beziehungsweise durchführen.

Auf den ersten Blick sehen beide Funktionen deshalb ziemlich ähnlich aus.

Der Unterschied:

Microsoft bezeichnet die Funktion in den Einstellungen ausdrücklich als KI-Agenten.

Bei der neuen Windows-Suche tut Microsoft das bisher nicht.

Und auch das Verhalten wirkt deutlich einfacher und direkter.

Das könnte für normale Windows-11-PCs interessant werden

Genau deshalb finde ich die Sache spannend.

Wenn Microsoft eine natürliche Sprachsteuerung für Windows-Aktionen ohne Copilot+ PC und ohne Cloud-Anbindung hinbekommt, könnte diese Technik langfristig deutlich breiter eingesetzt werden.

Dann müsste nicht jede kleine Komfortfunktion gleich mit:

  • Copilot
  • NPU
  • Cloud
  • KI-Agent

beworben werden.

Manchmal reicht schlicht eine gute lokale Funktion, die versteht, was der Nutzer möchte.

Aktuell nur für Insider

Die neue Suchoberfläche ist momentan noch stark eingeschränkt verfügbar.

Sie befindet sich aktuell im:

Windows Insider Experimental Channel

Außerdem gibt es zunächst nur Unterstützung für:

Englisch

Die Funktion betrifft momentan außerdem nur die Suche über die Taskleiste.

Die Suche innerhalb des Startmenüs verwendet weiterhin die bisherige Oberfläche.

Microsoft plant laut den vorliegenden Informationen, das neue Sucherlebnis im kommenden Jahr auch ins Startmenü zu bringen.

Mein Eindruck

Ich war bei der Beschreibung zuerst ebenfalls skeptisch.

„Natürlichsprachliche Windows-Steuerung“ klingt inzwischen fast automatisch nach Copilot.

Aber wenn das Ganze tatsächlich lokal, schnell und ohne großes KI-Modell funktioniert, finde ich den Ansatz deutlich interessanter.

Für mich muss nicht jede neue Windows-Funktion generative KI einsetzen.

Wenn Microsoft mit einer lokal arbeitenden Intent-Erkennung das gleiche praktische Ergebnis erreicht, ist mir das sogar lieber:

schneller, vorhersehbarer und ohne Cloud-Abhängigkeit.

Fazit

Die neue Windows-11-Suche kann offenbar deutlich mehr als bisher.

Sie versteht bestimmte natürliche Formulierungen und kann daraus direkt Windows-Aktionen ableiten.

Dabei sprechen erste Tests dafür, dass die Verarbeitung:

  • lokal erfolgt
  • auch offline funktioniert
  • praktisch ohne Verzögerung reagiert
  • kein allgemeiner Chatbot ist

Ob im Hintergrund tatsächlich überhaupt keine KI-Technik steckt, hat Microsoft bislang nicht erklärt.

Klar ist aber:

Es sieht nach KI aus, verhält sich in der Praxis aber eher wie eine sehr schnelle lokale Aktions- und Intent-Erkennung.

Und ganz ehrlich: Wenn das am Ende zuverlässig funktioniert, ist mir ziemlich egal, welches Schlagwort Microsoft dafür verwendet.