Copilot+ PC vor dem Aus? Microsoft scheint sich still von der Marke zu verabschieden

Microsoft hat in den vergangenen Jahren ziemlich viel Energie in das Thema Copilot+ PC gesteckt. Die Bezeichnung sollte für eine neue Generation von Windows-Rechnern stehen, die dank leistungsfähiger NPU bestimmte KI-Funktionen direkt auf dem Gerät ausführen können.
Inzwischen sieht es allerdings danach aus, als würde Microsoft die Marke selbst langsam wieder in den Hintergrund schieben.
Eine offizielle Ankündigung nach dem Motto „Copilot+ PC ist eingestellt“ gibt es zwar nicht. Auffällig ist aber, dass Microsoft die Bezeichnung bei seinen neuesten Surface-Geräten nicht mehr verwendet – obwohl die Geräte die bisherigen technischen Anforderungen erfüllen. Microsoft Surface CVP Brett Ostrum bestätigte gegenüber Windows Central ausdrücklich, dass die neuen Geräte nicht als Copilot+ PCs bezeichnet werden, obwohl sie weiterhin den bisherigen technischen Maßstab erfüllen.
Dabei sollte Copilot+ PC eigentlich die große neue Windows-Ära einläuten
Als Microsoft die Copilot+ PCs 2024 vorgestellt hat, war die Botschaft ziemlich groß.
Eine neue Klasse von Windows-PCs sollte entstehen, bei der KI nicht nur irgendwo in der Cloud läuft, sondern dank spezieller NPUs direkt auf dem Rechner verarbeitet werden kann.
Für die ursprüngliche Copilot+-Klasse setzte Microsoft unter anderem eine NPU mit entsprechend hoher Rechenleistung voraus. Qualcomm beschreibt den ursprünglichen Zweck der Marke heute rückblickend ähnlich: Sie sollte eine Geräteklasse mit einer klar definierten NPU-Leistungsgrenze kennzeichnen. Inzwischen gehe es offenbar eher darum, dieselben Funktionen bereitzustellen, ohne zwingend noch den Begriff „Copilot+ PC“ zu verwenden.
Die Hardware-Anforderungen verschwinden deshalb nicht
Das ist ein wichtiger Punkt.
Wenn Microsoft tatsächlich die Marke Copilot+ PC auslaufen lässt, bedeutet das nicht automatisch, dass die dahinterstehende Technik verschwindet.
Die Geräte besitzen weiterhin:
leistungsfähige NPUs
lokale KI-Beschleunigung
die bisherigen Copilot+-Funktionen
entsprechende Hardware für On-Device-AI
Verschwinden könnte also vor allem der Marketingname.
Das erinnert ein wenig an andere Microsoft-Bezeichnungen, die mit großem Aufwand eingeführt wurden und später still und leise weniger wichtig wurden.
Selbst Microsoft verwendet den Namen bei neuen Surface-Geräten nicht mehr
Für mich ist das eigentlich der deutlichste Hinweis.
Wenn selbst Microsoft bei seinen eigenen Surface-PCs eine Marke nicht mehr prominent verwendet, die es selbst geschaffen hat, dann sagt das schon einiges.
Windows Central weist darauf hin, dass die Surface-Geräte von 2026 den Copilot+-Zusatz in ihren Produktnamen nicht mehr tragen. Hinweise auf die Kompatibilität findet man teilweise nur noch in den technischen Spezifikationen.
Das wirkt nicht unbedingt wie eine Marke, die Microsoft noch groß ausbauen möchte.
Auch andere Hersteller scheinen vorsichtiger zu werden
Interessant ist außerdem, dass auch andere Hersteller beziehungsweise Plattformanbieter die Bezeichnung weniger stark verwenden.
Qualcomm spricht weiterhin von der zugrunde liegenden NPU-Klasse und den entsprechenden Funktionen, scheint aber ebenfalls weniger Wert auf den eigentlichen Namen Copilot+ PC zu legen.
Auch bei den kommenden leistungsfähigen Windows-Geräten mit Nvidias RTX-Spark-Plattform fällt auf, dass die Copilot+-Marke keine besonders große Rolle spielt.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Microsoft den Begriff offiziell beendet hat. Aber wenn Microsoft und wichtige Hardwarepartner ihn zunehmend vermeiden, ist die Richtung ziemlich deutlich.
Der Start von Copilot+ PC war alles andere als optimal
Rückblickend hatte die Marke auch keinen besonders einfachen Start.
Eines der wichtigsten Vorzeige-Features war Recall. Genau diese Funktion sorgte schon vor dem eigentlichen Start für massive Diskussionen rund um Datenschutz und Sicherheit und musste zunächst verschoben werden.
Damit fehlte ausgerechnet eines der Features, das den Unterschied zwischen einem normalen Windows-PC und einem Copilot+ PC besonders deutlich machen sollte.
Windows Central sieht den holprigen Recall-Start ebenfalls als einen Faktor, der der Copilot+-Marke früh geschadet haben dürfte.
Und dann war da noch Windows 12
Spannend ist das Ganze auch vor dem Hintergrund der damaligen Spekulationen über Windows 12.
Vor einigen Jahren deutete vieles darauf hin, dass Microsoft an einer größeren nächsten Windows-Generation arbeitete. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass KI und spezielle KI-Hardware dabei eine große Rolle spielen sollten.
Am Ende kam aber kein Windows 12.
Stattdessen blieb Microsoft bei Windows 11 und veröffentlichte Windows 11 24H2, während die neue Hardwareklasse unter der Bezeichnung Copilot+ PC vermarktet wurde.
Ob Copilot+ PCs tatsächlich ursprünglich Teil eines Windows-12-Plans waren, wurde von Microsoft nie offiziell so bestätigt. Rückblickend wirkt es aber durchaus so, als wären viele Ideen dieser geplanten „nächsten Windows-Generation“ in Windows 11 und die neue KI-PC-Kategorie eingeflossen.
Vielleicht war der Name einfach nie besonders gut
Ganz persönlich fand ich die Bezeichnung Copilot+ PC von Anfang an etwas unglücklich.
Denn sie suggeriert, dass es sich dabei hauptsächlich um Rechner für Microsoft Copilot handelt.
Technisch ging es aber eigentlich um etwas anderes:
leistungsfähige NPUs und lokale KI-Berechnungen.
Ein Rechner kann diese Hardware besitzen und sehr sinnvoll für lokale KI-Anwendungen eingesetzt werden, ohne dass der Nutzer Microsoft Copilot überhaupt verwendet.
Vielleicht wäre eine neutralere Bezeichnung wie „AI PC“ langfristig einfacher gewesen.
Microsoft gibt KI deshalb keineswegs auf
Man sollte daraus auch nicht den falschen Schluss ziehen, Microsoft würde sich von KI in Windows verabschieden.
Das Gegenteil ist der Fall.
Die zugrunde liegende Strategie – mehr KI direkt auf dem Gerät auszuführen und Windows stärker auf entsprechende Hardware auszurichten – bleibt bestehen. Selbst Microsofts neue Surface-Geräte erfüllen weiterhin die bisherige Copilot+-Hardwareklasse.
Es sieht eher danach aus, dass Microsoft das Branding zurückfährt, nicht die technische Idee dahinter.
Fazit
Offiziell hat Microsoft das Ende von Copilot+ PC nicht angekündigt.
Aber die Zeichen sind inzwischen ziemlich eindeutig:
Microsoft verwendet die Bezeichnung bei seinen neuesten Surface-Geräten nicht mehr prominent, Qualcomm spricht eher über die zugrunde liegenden Funktionen als über den Markennamen und auch andere Hersteller scheinen sich nicht besonders stark an das Label zu binden. (Windows Central)
Für Käufer ändert sich dadurch zunächst wenig. Die Hardware und die KI-Funktionen bleiben.
Was möglicherweise verschwindet, ist lediglich der große Marketingaufkleber „Copilot+ PC“.
Und wenn es tatsächlich so kommt, wäre es eine weitere Microsoft-Marke, die mit viel Aufmerksamkeit gestartet wurde und anschließend ziemlich geräuschlos wieder aus dem Rampenlicht verschwindet.