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WordCraft, GridCraft und DeckCraft: Open-Source-Alternativen zu Microsoft Office entstehen

KI-Generiertes Foto

Microsoft Office ist für viele nach wie vor gesetzt. Word, Excel und PowerPoint gehören seit Jahrzehnten zum Standard – gerade im beruflichen Umfeld.

Trotzdem gibt es immer wieder Projekte, die versuchen, genau diese Programme neu zu denken. Mal schlanker, mal günstiger, mal komplett offen.

Ein ziemlich interessantes neues Projekt kommt jetzt vom Entwickler Brandon Thomas, der mit seiner ArtCraft-Reihe bereits kostenlose Alternativen zu bekannten Adobe-Programmen gebaut hat.

Diesmal nimmt er sich Microsoft Office vor.

Die neuen Anwendungen heißen:

  • WordCraft – als Alternative zu Microsoft Word
  • GridCraft – als Alternative zu Microsoft Excel
  • DeckCraft – als Alternative zu Microsoft PowerPoint

Und das Ganze ist Open Source.

Office ohne Abo-Zwang

Der Ansatz ist ziemlich sympathisch:

Die Programme sollen kostenlos nutzbar sein, der Quellcode ist offen verfügbar und die Anwendungen laufen auf:

  • Windows
  • macOS
  • Linux

Zusätzlich gibt es laut Entwickler auch portable Varianten.

Gerade Linux-Nutzer dürften hier hellhörig werden, denn viele bekannte Office- oder Kreativprogramme behandeln Linux eher wie einen entfernten Verwandten, den man nur selten besucht.

Bei WordCraft und Co. soll die Bedienung dagegen auf allen drei Plattformen möglichst gleich bleiben.

WordCraft als Word-Alternative

WordCraft richtet sich klar an Nutzer, die eine freie Textverarbeitung suchen.

Die Projektseite findet ihr hier:

https://getartcraft.com/apps/wordcraft

Die Idee ist dabei nicht besonders kompliziert:

Dokumente schreiben, formatieren und bearbeiten – ohne Microsoft-365-Abo.

Natürlich darf man hier keine vollständige 1:1-Kopie von Word erwarten.

Gerade bei komplexeren Funktionen, Zusammenarbeit, Makros, Vorlagen oder speziellen Office-Workflows dürfte Microsoft weiterhin deutlich voraus sein.

Aber genau darum geht es bei solchen Projekten meiner Meinung nach auch nicht unbedingt.

Für viele Nutzer reicht eine gute Textverarbeitung völlig aus.

GridCraft und DeckCraft ergänzen die Office-Idee

Mit GridCraft und DeckCraft deckt Thomas zusätzlich Tabellenkalkulation und Präsentationen ab.

Damit entsteht im Grunde ein kleines eigenes Office-Paket.

Die Namen machen dabei ziemlich schnell klar, wohin die Reise geht:

GridCraft kümmert sich um Tabellen.

DeckCraft um Präsentationen.

WordCraft um Dokumente.

Ein bisschen schlicht – aber immerhin weiß man sofort, was gemeint ist.

Entwickelt mit Unterstützung von Claude

Spannend ist auch die Art, wie die Programme entstehen.

Brandon Thomas nutzt bei der Entwicklung unter anderem das KI-Modell Claude.

Das Thema dürfte zwangsläufig Diskussionen auslösen, denn sobald heute jemand KI beim Programmieren erwähnt, fällt ziemlich schnell der Begriff Vibe Coding.

Thomas hat sich dazu bereits geäußert und betont, dass er klassische Softwareentwicklung beherrscht und KI lediglich als Werkzeug nutzt, um schneller voranzukommen.

Das finde ich persönlich deutlich sinnvoller, als so zu tun, als würde moderne Softwareentwicklung heute komplett ohne KI-Unterstützung stattfinden.

Entscheidend ist am Ende sowieso nicht, ob Teile des Codes mit Unterstützung eines Modells entstanden sind.

Entscheidend ist:

Funktioniert die Software, ist sie nachvollziehbar und wird sie vernünftig gepflegt?

Im Browser geht es auch – aber nicht komplett kostenlos

Die Programme sollen grundsätzlich auch im Browser funktionieren.

Hier wird es allerdings etwas komplizierter.

Für die Web-Nutzung beziehungsweise bestimmte KI-Funktionen kommen offenbar kostenpflichtige Angebote mit AI Credits ins Spiel.

Ganz ohne Geschäftsmodell kommt also auch dieses Projekt nicht aus.

Das finde ich grundsätzlich nicht problematisch.

Open Source bedeutet schließlich nicht automatisch, dass Serverbetrieb, KI-Funktionen und Webdienste dauerhaft kostenlos bereitgestellt werden müssen.

Wichtig ist eher, dass die eigentlichen Desktop-Anwendungen weiterhin frei genutzt werden können.

Noch kein vollständiger Microsoft-Office-Ersatz

Man sollte bei aller Begeisterung realistisch bleiben.

WordCraft, GridCraft und DeckCraft stehen noch relativ am Anfang und können beim Funktionsumfang derzeit nicht mit Microsoft Word, Excel oder PowerPoint mithalten.

Gerade Excel ist ein gutes Beispiel.

Was Microsoft dort über Jahrzehnte an Funktionen, Formeln, Datenanalyse, Power Query, Pivot-Funktionen, Makros und Unternehmensintegration aufgebaut hat, ersetzt man nicht mal eben an einem Wochenende.

Dasselbe gilt für Word und PowerPoint.

Für normale Dokumente, Tabellen oder Präsentationen könnten die neuen Programme trotzdem interessant werden.

Und genau dort dürfte auch erstmal die eigentliche Zielgruppe liegen.

Brauchen wir wirklich noch ein weiteres Office-Paket?

Natürlich kann man fragen:

Warum ein neues Office-Paket bauen, wenn es bereits LibreOffice, OnlyOffice und andere freie Alternativen gibt?

Die Frage ist durchaus berechtigt.

Man könnte bestehende Open-Source-Projekte unterstützen, statt wieder etwas Neues aufzubauen.

Andererseits entstehen neue Ideen eben oft genau deshalb, weil jemand mit bestehenden Lösungen nicht zufrieden ist oder einen anderen Ansatz ausprobieren möchte.

Und ganz ehrlich:

Ein bisschen Konkurrenz hat Softwareprojekten selten geschadet.

Mein Eindruck

Ich finde das Projekt interessant.

Nicht unbedingt, weil ich jetzt sofort Word, Excel und PowerPoint deinstallieren würde.

Dafür sind die Microsoft-Produkte in vielen Bereichen einfach noch zu tief in bestehende Arbeitsabläufe integriert.

Aber ich mag Projekte, die versuchen, bekannte Software neu zu denken.

Vor allem dann, wenn sie:

  • Open Source sind
  • plattformübergreifend laufen
  • keine permanente Abo-Pflicht mitbringen
  • und nicht gleich beim ersten Start ein Benutzerkonto verlangen

Ob WordCraft, GridCraft und DeckCraft langfristig wirklich eine ernsthafte Office-Alternative werden, muss sich erst zeigen.

Potenzial ist aber definitiv vorhanden.

Fazit

Mit WordCraft, GridCraft und DeckCraft entsteht derzeit ein neues Open-Source-Paket als Alternative zu Word, Excel und PowerPoint.

Die Programme laufen auf Windows, macOS und Linux, sind frei verfügbar und wurden mit Unterstützung moderner KI-Werkzeuge entwickelt.

Beim Funktionsumfang können sie Microsoft Office aktuell noch nicht vollständig ersetzen.

Das müssen sie meiner Meinung nach aber auch noch gar nicht.

Wenn daraus langfristig ein schlankes, offenes und gut gepflegtes Office-Paket entsteht, wäre das bereits ein ziemlich guter Anfang.

Denn manchmal braucht es nicht sofort den perfekten Office-Killer – sondern einfach eine gute Alternative, die sich weiterentwickeln darf.