Windows 11: Always-On-VPN-Probleme doch nicht behoben
Eigentlich sollte das Thema mit den Oktober-Updates 2026 erledigt sein. Microsoft hatte die seit September bekannten Probleme mit Always On VPN unter Windows 11 zunächst als behoben markiert.
Nun stellt sich heraus: Das war ein Fehler.
Microsoft hat den Status inzwischen wieder zurückgenommen. Die VPN-Probleme bestehen weiterhin, und eine endgültige Lösung soll erst mit einem kommenden Windows-Update erscheinen.
Für Unternehmen, die Always On VPN einsetzen, ist das natürlich eher die Sorte Nachricht, die man nach einem Patchday nicht unbedingt lesen möchte.
Das Problem stammt bereits aus dem September
Microsoft hatte die Schwierigkeiten erstmals Ende September 2026 bestätigt.
Betroffen sind Systeme mit Windows 11 24H2 und neuer, auf denen die September-Sicherheitsupdates installiert wurden.
Problematisch kann es werden, wenn eine Always-On-VPN-Verbindung beim ersten Versuch fehlschlägt und im VPN-Profil eine automatische Protokollauswahl beziehungsweise ein Fallback eingerichtet ist.
Dabei kommen insbesondere:
- IKEv2
- SSTP
ins Spiel.
Schlägt der erste Verbindungsversuch fehl, kann Windows anschließend Schwierigkeiten bekommen, erneut eine funktionierende VPN-Verbindung aufzubauen.
VPN bleibt auf „Connecting“ hängen
Auf betroffenen Geräten kann die Verbindung dauerhaft im Zustand:
Connecting
beziehungsweise „Verbindung wird hergestellt“ hängen bleiben.
Alternativ schlägt der Aufbau vollständig fehl.
Bei weiteren Versuchen kann außerdem die Meldung erscheinen:
The specified port is already in use.
Windows behauptet dann also sinngemäß, dass der benötigte Port bereits verwendet wird.
Das ist besonders unangenehm, weil Always On VPN normalerweise genau dafür gedacht ist, möglichst unauffällig im Hintergrund zu funktionieren.
Der Nutzer soll sich eigentlich nicht jedes Mal darum kümmern müssen, wie der sichere Tunnel ins Unternehmensnetz aufgebaut wird.
Was ist Always On VPN?
Always On VPN ist Microsofts moderner Ersatz für das frühere DirectAccess.
Die Technik kann auf unterschiedlichen Gerätetypen eingesetzt werden, darunter:
- klassische Domänen-PCs
- nicht domänengebundene Rechner
- Microsoft-Entra-ID-gebundene Geräte
Unterstützt werden Windows 10, Windows 11 und entsprechende Windows-Server-Umgebungen.
Sobald ein Gerät eine Internetverbindung besitzt, kann automatisch ein sicherer Tunnel zum Unternehmensnetz hergestellt werden.
Gerade bei mobilen Arbeitsplätzen und Homeoffice-Szenarien ist das praktisch.
Wenn es funktioniert.
Oktober-Update sollte das Problem eigentlich lösen
Mit den Oktober-2026-Updates sah es zunächst so aus, als könne man das Thema abhaken.
Microsoft kennzeichnete den Fehler am 13. Oktober 2026 als behoben.
Das passte auch zu den zunächst veröffentlichten Angaben rund um das kumulative Oktober-Update.
Nun hat Microsoft diese Aussage korrigiert.
Die Information über die angebliche Fehlerbehebung wurde aus der entsprechenden Update-Dokumentation entfernt.
Der Status des Problems wurde von Resolved wieder auf:
Mitigated
gesetzt.
Also: Es gibt eine Umgehungslösung, aber noch keinen eigentlichen Fix.
Microsoft spricht von einem irrtümlichen Status
Nach Angaben des Unternehmens wurde die Störung versehentlich als behoben gekennzeichnet.
Microsoft entschuldigt sich für die dadurch entstandene Verwirrung.
Eine endgültige Lösung befindet sich weiterhin in Arbeit und soll in einem Update erscheinen, das in den kommenden Wochen veröffentlicht werden soll.
Einen genauen Termin nennt Microsoft bislang nicht.
Für Administratoren bedeutet das:
Wer davon ausgegangen ist, dass das Oktober-Update die Sache erledigt hat, sollte seine VPN-Umgebung besser noch einmal überprüfen.
Workaround: Automatische Protokollauswahl abschalten
Bis ein richtiger Fix verfügbar ist, empfiehlt Microsoft eine relativ klare Übergangslösung.
Das Always-On-VPN-Profil sollte nicht mehr automatisch zwischen verschiedenen Tunnelprotokollen wechseln.
Stattdessen soll fest eines der beiden Protokolle verwendet werden:
- nur SSTP
- oder nur IKEv2
Welches davon sinnvoller ist, hängt von der jeweiligen Infrastruktur, den Sicherheitsanforderungen und der vorhandenen VPN-Konfiguration ab.
Der entscheidende Punkt ist:
Keine automatische Protokollauswahl beziehungsweise kein automatischer Fallback.
Warum gerade der automatische Fallback problematisch ist
Das bekannte Fehlerbild tritt insbesondere dann auf, wenn die erste Verbindung fehlschlägt und Windows anschließend versucht, auf ein alternatives Protokoll auszuweichen.
Genau dieser Wechsel scheint derzeit problematisch zu sein.
Wird dagegen von Anfang an nur ein einzelnes Protokoll verwendet, lässt sich das Problem laut Microsoft umgehen.
Das ist natürlich keine besonders elegante Dauerlösung.
Gerade automatische Fallback-Mechanismen existieren schließlich deshalb, damit eine Verbindung auch dann noch aufgebaut werden kann, wenn ein bestimmtes Protokoll in einem Netzwerk nicht funktioniert.
Für den Moment kann die Einschränkung aber stabiler sein als eine VPN-Verbindung, die gar nicht zustande kommt.
Nicht einfach von der Oktober-Dokumentation ausgehen
Aus meiner Sicht ist das eigentlich der interessanteste Teil der Geschichte.
Administratorinnen und Administratoren verlassen sich verständlicherweise auf die Known-Issue- und Release-Health-Dokumentation von Microsoft.
Wenn ein Fehler dort als behoben markiert wird, plant man entsprechend.
Dass Microsoft einen Bug zunächst als gelöst kennzeichnet und einige Tage später zurückrudert, ist deshalb mehr als nur eine kleine redaktionelle Korrektur.
Gerade in Unternehmensumgebungen kann so etwas die Fehlersuche unnötig verlängern.
Man sucht dann vielleicht erst einmal an der eigenen VPN-Infrastruktur, obwohl das zugrunde liegende Windows-Problem weiterhin existiert.
Die September-Updates hatten noch weitere Nebenwirkungen
Die Always-On-VPN-Störung war nicht das einzige Problem rund um die September-Updates 2026.
Microsoft musste anschließend noch an mehreren anderen Stellen nachbessern.
Dazu gehörten unter anderem Probleme mit:
- Hyper-V
- Remote Desktop Services
- USB-Audio
- Domänenanmeldungen
- Dateiversionsverlauf
Für einige Fehler veröffentlichte Microsoft außerplanmäßige Updates, für andere zunächst nur Workarounds.
Das macht den September-Patchday rückblickend nicht gerade zu einem der unauffälligsten des Jahres.
Besonders relevant für Unternehmen
Für normale Privatnutzer dürfte dieses VPN-Problem in vielen Fällen keine Rolle spielen.
Always On VPN ist vor allem in professionell verwalteten Umgebungen interessant.
Dort kann der Fehler allerdings ziemlich störend sein.
Wenn Mitarbeitende außerhalb des Firmennetzes arbeiten und auf interne Dienste angewiesen sind, ist eine zuverlässig funktionierende VPN-Verbindung schließlich keine Komfortfunktion.
Sie ist Teil der Arbeitsumgebung.
Entsprechend wichtig ist es, dass Administratoren nicht nur das Oktober-Update installieren und anschließend davon ausgehen, dass das Problem automatisch verschwunden ist.
Mein Eindruck
Dass ein Fehler in einer Update-Dokumentation vorkommt, kann passieren.
Ungünstig wird es, wenn genau dieser Fehler besagt, dass ein technisches Problem behoben sei, obwohl es weiterhin besteht.
Immerhin hat Microsoft die Information inzwischen korrigiert und einen funktionierenden Workaround dokumentiert.
Wer Always On VPN mit automatischer Protokollauswahl betreibt und weiterhin Verbindungsprobleme sieht, hat damit zumindest einen konkreten Ansatzpunkt.
Die saubere Lösung bleibt allerdings das angekündigte Windows-Update.
Bis dahin heißt es wieder einmal:
Workaround einsetzen und auf den nächsten Patch warten.
Fazit
Die Always-On-VPN-Probleme unter Windows 11 sind mit den Oktober-Updates 2026 nicht behoben worden.
Microsoft hatte den Fehler zunächst versehentlich als gelöst markiert und diesen Status inzwischen wieder zurückgenommen.
Betroffen sind insbesondere Systeme mit Windows 11 24H2 und neuer, auf denen nach den September-Updates VPN-Profile mit automatischer Protokollauswahl beziehungsweise Fallback zwischen IKEv2 und SSTP verwendet werden.
Als vorläufige Lösung empfiehlt Microsoft, das VPN-Profil auf ein einziges Protokoll festzulegen.
Eine endgültige Fehlerbehebung soll in den kommenden Wochen folgen.
Für Administratoren ist deshalb vor allem eines wichtig:
Das Oktober-Update allein ist bei diesem VPN-Problem noch nicht die Lösung.
Quelle
BleepingComputer:
Microsoft says October updates didn’t actually fix VPN issues
https://www.bleepingcomputer.com/news/microsoft/microsoft-didnt-actually-fix-vpn-issues-caused-by-windows-updates/