OTTO kommt zu ChatGPT: Produktsuche per Plugin und MCP

Produktsuche könnte in Zukunft deutlich weniger nach klassischem Onlineshop aussehen. Statt zehn Filter anzuklicken und sich durch mehrere Seiten Waschmaschinen, Fernseher oder Kaffeemaschinen zu arbeiten, beschreibt man einfach, was man eigentlich sucht.
Genau in diese Richtung geht nun auch OTTO. Der deutsche Onlinehändler bindet sein Sortiment über ein eigenes ChatGPT-Plugin an und schafft mit einer auf dem Model Context Protocol (MCP) basierenden Schnittstelle gleichzeitig die technische Grundlage für weitere KI-Anwendungen.
Das Interessante daran ist für mich weniger das Plugin allein. Spannender ist, dass OTTO damit versucht, den eigenen Shop für eine Zukunft vorzubereiten, in der KI-Assistenten zunehmend zwischen Nutzer und Onlineshop stehen.
OTTO lässt sich direkt in ChatGPT einbinden
Das neue OTTO-Plugin kann über die Plugin-Verwaltung von ChatGPT hinzugefügt werden.
Anschließend lässt sich eine Produktsuche mit:
@OTTO
starten.
Danach kann man seine Wünsche deutlich natürlicher formulieren als mit einer klassischen Suchmaske.
Statt beispielsweise nur nach „Waschmaschine 9 kg“ zu suchen, könnte die Anfrage eher lauten:
Welche Waschmaschine eignet sich für eine vierköpfige Familie, läuft möglichst leise und sollte nicht unnötig viel Strom verbrauchen?
Oder man lässt sich bei einer Siebträgermaschine beraten, ohne vorher wissen zu müssen, welche Filter im Shop eigentlich sinnvoll sind.
Mehr als 19 Millionen Produkte stehen zur Verfügung
Das Plugin greift auf das OTTO-Sortiment mit mehr als 19 Millionen Artikeln zu.
Damit geht es nicht nur um einige ausgesuchte Produktkategorien oder Aktionsangebote.
Die Idee besteht darin, den gesamten Katalog über eine dialogbasierte Suche zugänglich zu machen.
Das kann gerade bei Produktgruppen interessant werden, bei denen man selbst nicht genau weiß, nach welchen technischen Eigenschaften man eigentlich suchen sollte.
Ich finde das beispielsweise bei Haushaltsgeräten ziemlich sinnvoll.
Wer nur alle paar Jahre eine neue Waschmaschine kauft, hat verständlicherweise nicht unbedingt sämtliche Trommelgrößen, Energieklassen und Programme im Kopf.
ChatGPT berät – gekauft wird weiterhin bei OTTO
Das Plugin ersetzt den eigentlichen Onlineshop allerdings nicht.
Hat man ein interessantes Produkt gefunden, führt der weitere Weg zu OTTO.
Dort werden wie gewohnt Dinge wie:
- Warenkorb
- Bezahlung
- Lieferung
- Aufbau
- Installation
- weitere Services
abgewickelt.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
ChatGPT wird damit zunächst vor allem zu einer zusätzlichen Oberfläche für Suche und Beratung.
Der eigentliche Kauf findet weiterhin über die Infrastruktur von OTTO statt.
Was hat MCP damit zu tun?
Technisch wird die Sache beim Model Context Protocol, kurz MCP, interessant.
MCP ist ein offener Standard, über den KI-Systeme mit externen Anwendungen, Diensten und Datenquellen kommunizieren können.
Vereinfacht gesagt:
Statt für jeden KI-Assistenten eine komplett eigene Spezialanbindung zu bauen, kann eine standardisierte Schnittstelle genutzt werden.
OTTO macht seine Systeme nun über einen entsprechenden MCP-basierten API-Endpunkt zugänglich.
Entwickelt wurde diese technische Grundlage gemeinsam mit dem konzerneigenen Technologiepartner one.O.
MCP ist eigentlich der wichtigere Teil der Meldung
Das ChatGPT-Plugin ist das, was Nutzer direkt sehen.
Die MCP-Anbindung könnte langfristig aber deutlich wichtiger werden.
OTTO spricht dabei von Agentic Readiness.
Gemeint ist eine Infrastruktur, mit der künftig nicht nur Chatbots Produkte anzeigen, sondern KI-Agenten wesentlich aktiver mit einem Shopsystem arbeiten könnten.
Perspektivisch könnten solche Systeme beispielsweise:
- aktuelle Preise abrufen
- Lagerbestände prüfen
- Produkte vergleichen
- Bestellprozesse anstoßen
- mit weiteren Unternehmenssystemen kommunizieren
Der entscheidende Punkt ist das Wort perspektivisch.
Das aktuelle Plugin übernimmt nicht automatisch all diese Aufgaben.
Es schafft zusammen mit der dahinterliegenden Infrastruktur aber eine Grundlage dafür.
Vom Chatbot zum Einkaufsagenten
Genau hier wird das Thema für mich spannend.
Heute fragen wir eine KI vielleicht:
Welche Waschmaschine passt zu meinen Anforderungen?
Der nächste Entwicklungsschritt könnte irgendwann sein:
Finde eine passende Waschmaschine unter 700 Euro, prüfe Lieferbarkeit und Lieferzeit und zeige mir die drei besten Optionen.
Und später vielleicht:
Bestelle die ausgewählte Maschine und buche direkt den Anschlussservice dazu.
Dann wäre die KI nicht mehr nur eine Suchmaschine mit Gesprächsoberfläche.
Sie würde tatsächlich Aufgaben innerhalb verschiedener Systeme erledigen.
Ob man seinen Einkauf so weit automatisieren möchte, ist natürlich eine andere Frage.
OTTO experimentiert schon länger mit KI-Beratung
Das ChatGPT-Plugin ist nicht der erste Versuch des Unternehmens mit dialogbasierter Produktsuche.
Auf der eigenen Plattform betreibt OTTO bereits einen sprachgestützten KI-Assistenten.
Dieser basiert nach Unternehmensangaben auf Google-Technologie und wurde bereits im März eingeführt.
Das neue ChatGPT-Plugin ergänzt dieses Angebot nun außerhalb des eigentlichen OTTO-Shops.
Man könnte also von zwei Wegen sprechen:
Onsite direkt bei OTTO und offsite innerhalb einer externen KI-Umgebung.
Auch Werbung in ChatGPT wird getestet
Parallel experimentiert OTTO außerdem mit Werbung innerhalb von ChatGPT.
Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den frühen europäischen Testpartnern und testet entsprechende Anzeigen bereits seit September.
Damit gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Wege, über die OTTO innerhalb einer KI-gestützten Produktsuche sichtbar werden kann:
organische Beratung über das Plugin und bezahlte Platzierungen über Werbung.
Diese beiden Dinge sollte man sauber auseinanderhalten.
Auch OTTO selbst betont, dass organische Empfehlungen und bezahlte Sichtbarkeit klar voneinander getrennt bleiben sollten.
Das halte ich für ausgesprochen wichtig.
Gerade bei einer KI-Beratung muss jederzeit erkennbar sein, ob ein Produkt wegen seiner Eigenschaften empfohlen wird oder weil jemand für die Platzierung bezahlt hat.
Shopping verändert sich langsam grundlegend
Klassischer Onlinehandel funktioniert seit Jahren ungefähr gleich.
Suchbegriff eingeben.
Filter auswählen.
Produkte öffnen.
Bewertungen lesen.
Zurück.
Nächstes Produkt öffnen.
Noch einmal zurück.
Irgendwann sind 17 Tabs offen und man weiß nicht mehr, welche Waschmaschine eigentlich diejenige mit dem besseren Motor war.
Dialogbasierte Produktsuche kann diesen Prozess deutlich vereinfachen.
Man beschreibt Anforderungen und lässt die Software die erste Vorauswahl treffen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man Produktangaben oder Preise nicht mehr selbst überprüfen sollte.
Aber die Recherche kann angenehmer werden.
Für mich ist Beratung interessanter als ein weiterer Suchschlitz
Eine einfache KI-Suche nach:
„Fernseher 65 Zoll“
bräuchte ich persönlich nicht.
Dafür funktioniert ein normaler Shop bereits gut genug.
Interessant wird es erst, wenn die Beratung Kontext versteht.
Zum Beispiel:
Ich sitze ungefähr drei Meter vom Fernseher entfernt, schaue hauptsächlich Filme am Abend und möchte nicht mehr als 1.000 Euro ausgeben. Was wäre sinnvoll?
Genau dort kann eine dialogbasierte Produktsuche einen echten Vorteil gegenüber klassischen Filtern haben.
Ob die Empfehlungen am Ende tatsächlich gut genug sind, wird sich natürlich erst im praktischen Einsatz zeigen.
Der Kauf bleibt vorerst bewusst getrennt
Dass OTTO den eigentlichen Kauf aktuell weiterhin im eigenen Shop abwickelt, halte ich gar nicht für schlecht.
Bei einem Kauf möchte ich schließlich noch einmal sehen:
- den tatsächlichen Verkäufer
- den aktuellen Preis
- Lieferbedingungen
- Rückgabebedingungen
- Zahlungsoptionen
- mögliche Zusatzleistungen
Eine KI kann bei der Auswahl helfen.
Bevor Geld den Besitzer wechselt, darf ruhig noch einmal eine klassische Produktseite erscheinen.
Zumindest im Moment finde ich diese Trennung ziemlich sinnvoll.
Mein Eindruck
Das OTTO-Plugin ist für mich weniger wegen einer einzelnen neuen Shopping-Funktion interessant.
Spannender ist die Richtung dahinter.
Onlinehändler beginnen ihre Systeme offenbar darauf vorzubereiten, dass Kunden künftig nicht zwingend zuerst ihre Webseite oder App öffnen.
Der Einstieg könnte genauso gut ein KI-Assistent sein.
MCP liefert dafür eine technische Brücke.
Noch befinden wir uns dabei ziemlich am Anfang.
Aber wenn künftig mehrere Händler solche Schnittstellen anbieten, könnte aus der heutigen Produktsuche tatsächlich eine Art persönlicher Einkaufsagent entstehen.
Ob das besser ist als selbst durch den Shop zu stöbern, wird am Ende jeder für sich entscheiden müssen.
Manchmal möchte ich beraten werden.
Und manchmal möchte ich einfach selbst 40 völlig unnötige Produkte vergleichen.
Auch das gehört schließlich zum Internet.
Fazit
OTTO bringt sein Sortiment über ein eigenes Plugin direkt in ChatGPT.
Über @OTTO können Nutzer eine dialogbasierte Beratung zu mehr als 19 Millionen Produkten starten. Wird ein passender Artikel gefunden, geht es anschließend zum eigentlichen OTTO-Shop, wo Bestellung, Bezahlung und zusätzliche Services abgewickelt werden.
Technisch noch interessanter ist die zugrunde liegende MCP-Schnittstelle.
Damit bereitet OTTO seine Systeme auf eine Zukunft vor, in der KI-Agenten deutlich stärker mit Shops, Produktdaten und möglicherweise auch Bestellprozessen interagieren können.
Das Plugin ist damit weniger das Ende einer Entwicklung.
Es ist eher ein erster praktischer Blick darauf, wie Online-Shopping mit KI künftig funktionieren könnte.
Quellen
OTTO – Pressemitteilung:
OTTO: Mit ChatGPT-Plugin und -Ads zur Agentic Readiness
https://www.otto.de/unternehmen/de/presse/otto-mit-chatgpt-plugin-und-ads-zur-agentic-readiness
Die offizielle Mitteilung bestätigt unter anderem das Plugin, die MCP-Anbindung, das Sortiment von mehr als 19 Millionen Artikeln und den separaten Checkout bei OTTO. Otto
stadt-bremerhaven.de:
OTTO: Shopping-Beratung landet per ChatGPT-Plugin und MCP-Schnittstelle
https://stadt-bremerhaven.de/otto-shopping-beratung-landet-per-chatgpt-plugin-und-mcp-schnittstelle/