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Memtest86+ 9.00 ist da: großer Neustart für den RAM-Test

KI-Generiertes Foto

Wer schon einmal mit unerklärlichen Abstürzen, Bluescreens oder zufälligen Programmfehlern zu kämpfen hatte, kennt vermutlich auch Memtest86+. Das kostenlose Open-Source-Werkzeug startet unabhängig vom installierten Betriebssystem und prüft den Arbeitsspeicher auf Fehler.

Mit Memtest86+ 9.00 ist jetzt eines der größten Updates seit der grundlegenden Überarbeitung mit Version 6 erschienen. Neben komplett überarbeiteten Speichertests kommt erstmals ARM64-Unterstützung hinzu. Außerdem lassen sich Testergebnisse auf USB speichern und moderne SIMD-Befehlssätze werden stärker für die Prüfungen genutzt.

Für mich gehört Memtest86+ ohnehin zu den Werkzeugen, die auf einem Diagnose-Stick nicht fehlen sollten.

Memtest86+ funktioniert jetzt auch auf ARM64

Eine der größten Neuerungen ist die Unterstützung von AArch64 beziehungsweise ARM64.

Getestet wurde die neue Architektur unter anderem auf Qualcomm Snapdragon X sowie dem Raspberry Pi 4 und Raspberry Pi 5.

Damit verlässt Memtest86+ endgültig die reine x86-Welt.

Neben klassischen IA-32- und x86-64-Systemen werden damit inzwischen auch ARM64 sowie unterstützte LoongArch64-Systeme abgedeckt.

Gerade angesichts der zunehmenden Zahl von Windows-on-ARM-Rechnern ist dieser Schritt längst mehr als nur eine technische Spielerei.

Die Testverfahren wurden überarbeitet

Bei einem RAM-Test zählt nicht nur, ob ein Fehler erkannt wird, sondern auch, wie schnell er entdeckt wird.

Genau dort setzt Version 9.00 an.

Die Entwickler haben die Test-Suite neu organisiert und verschiedene Algorithmen angepasst. Ziel ist unter anderem eine bessere Effizienz und eine kürzere Zeit bis zum ersten gefundenen Speicherfehler.

Das ist besonders praktisch, wenn ein Rechner tatsächlich defekten RAM besitzt.

Niemand möchte acht Stunden warten, wenn das Modul eigentlich schon nach wenigen Minuten eindeutig durchfällt.

Neue SIMD-Tests für moderne Prozessoren

Memtest86+ 9.00 nutzt nun zusätzliche vektorbasierte Tests.

Unterstützt werden unter anderem:

SSE2, AVX2, NEON und LASX.

Dabei werden je nach Plattform 128- beziehungsweise 256-Bit-Vektoroperationen eingesetzt.

Damit können größere Datenmengen parallel verarbeitet und bestimmte Speicherzugriffe realistischer beziehungsweise intensiver getestet werden.

Auf x86-Systemen betrifft das beispielsweise SSE2 und AVX2, während ARM-Systeme NEON verwenden können.

Neuer Bus-Stresstest

Neu ist außerdem ein eigener Bus Stress Test.

Dieser richtet sich besonders an DDR5-Systeme, ist grundsätzlich aber auch für andere RAM-Generationen interessant.

Dabei geht es weniger darum, einzelne Speicherzellen isoliert zu überprüfen. Stattdessen wird die Kommunikation zwischen Prozessor, Speichercontroller und RAM stärker belastet.

Das kann Fehler sichtbar machen, die bei normalen Speichertests möglicherweise erst deutlich später auftreten.

Gerade bei übertaktetem RAM, aggressiven Timings oder XMP-/EXPO-Konfigurationen dürfte dieser Test interessant sein.

RowHammer-Test kommt hinzu

Memtest86+ 9.00 enthält außerdem einen neuen RowHammer-Test.

Er wird als Test 11 geführt und ist standardmäßig deaktiviert.

RowHammer beschreibt ein spezielles Verhalten moderner DRAM-Speicher, bei dem extrem häufige Zugriffe auf bestimmte Speicherzeilen unter ungünstigen Umständen Veränderungen in benachbarten Speicherzellen verursachen können.

Für einen normalen Stabilitätstest braucht man diese Prüfung nicht unbedingt.

Dass Memtest86+ sie trotzdem anbietet, zeigt aber ganz gut, wie umfassend das Werkzeug inzwischen geworden ist.

Bit-Fade-Test wurde verbessert

Auch der vorhandene Bit Fade Test wurde überarbeitet.

Dabei werden Daten in den Arbeitsspeicher geschrieben und anschließend für eine gewisse Zeit möglichst unangetastet gelassen.

Danach wird kontrolliert, ob sich einzelne Bits verändert haben.

In Version 9.00 werden dabei benachbarte Speicherzellen stärker berücksichtigt.

Solche Tests brauchen naturgemäß etwas Zeit, können aber Fehler finden, die bei schnellen Schreib-Lese-Zyklen nicht unbedingt auffallen.

Fehlerhafte SPD-Daten werden erkannt

Neu ist außerdem eine Prüfung der SPD-Daten.

SPD steht für Serial Presence Detect. In diesem kleinen Speicherbereich eines RAM-Moduls liegen unter anderem Informationen über Hersteller, Kapazität, Taktraten und Timings.

Memtest86+ 9.00 kann nun Prüfsummen beziehungsweise CRC-Werte dieser Daten kontrollieren.

Dadurch lassen sich beschädigte oder fehlerhafte SPD-Informationen erkennen.

Gleichzeitig wurde die Erkennung der Speichermodule erweitert.

Über 100 zusätzliche DRAM-Hersteller beziehungsweise Marken sollen nun erkannt werden.

Mehr RAM-Informationen dank DMI

Falls Memtest86+ nicht direkt auf die SPD-Daten zugreifen kann, kann das Programm nun Informationen über DMI beziehen.

Dadurch sollen auf mehr Systemen sinnvolle Angaben zu den verbauten Speichermodulen erscheinen.

Das ist eine dieser kleinen Änderungen, die nicht besonders spektakulär klingt, bei der Fehlersuche aber angenehm sein kann.

Denn gerade bei Fertig-PCs, Servern oder Notebooks ist der direkte SPD-Zugriff nicht immer problemlos möglich.

Testergebnisse lassen sich auf USB speichern

Eine für mich besonders praktische Neuerung ist die Möglichkeit, einen Testbericht auf einem USB-Datenträger zu speichern.

Bislang endete ein längerer RAM-Test nicht selten damit, dass man das Ergebnis fotografiert oder Werte von Hand notiert hat.

Mit Version 9.00 kann Memtest86+ Berichte direkt auf einem USB-Stick sichern.

Dabei gibt es allerdings eine Einschränkung:

Der Datenträger muss mit FAT32 formatiert sein.

Für Techniker oder Administratoren ist die Funktion trotzdem äußerst praktisch. Ein Prüfbericht lässt sich damit direkt vom Testsystem mitnehmen und später dokumentieren.

Bessere Möglichkeiten zur Automatisierung

Memtest86+ wurde außerdem für automatisierte Tests verbessert.

Die serielle Ausgabe kann nun maschinenlesbarer erfolgen.

Das ist vor allem für Server, Testlabore und größere Hardware-Prüfungen interessant.

Ein einzelner Privatanwender wird davon wahrscheinlich wenig merken.

Wer allerdings regelmäßig mehrere Maschinen testet, kann die Ergebnisse einfacher automatisiert auswerten.

Unterstützung für neue Hardware

Auch bei der Hardwareunterstützung wurde nachgelegt.

Unter anderem nennt das Projekt neue Plattformen wie Intel Wildcat Lake.

Für AMD-EPYC-Systeme wurden zudem Verbesserungen bei der Temperaturerkennung und verschiedene Sonderfälle berücksichtigt.

Daneben enthält Version 9.00 zahlreiche kleinere Korrekturen und interne Verbesserungen.

Die Entwickler selbst sprechen von mehr als hundert Änderungen beziehungsweise vielen Fehlerkorrekturen.

Secure Boot bleibt etwas kompliziert

Memtest86+ 9.00 ist nun für Secure Boot signiert.

Allerdings gibt es dabei einen wichtigen Haken.

Die Signatur stammt derzeit von einer eigenen Zertifizierungsstelle des Projekts und noch nicht von Microsoft.

Auf vielen normalen PCs wird das UEFI diese Signatur deshalb nicht automatisch akzeptieren.

Wer beim Start eine Secure-Boot-Verletzung bekommt, hat aktuell zwei Möglichkeiten: die CA des Projekts korrekt in die Firmware aufnehmen oder Secure Boot für den Test vorübergehend deaktivieren.

Für weniger erfahrene Nutzer ist Letzteres vermutlich der einfachere Weg.

Nach dem Test sollte Secure Boot natürlich wieder aktiviert werden.

So startet man Memtest86+

Am einfachsten funktioniert die Nutzung weiterhin über einen bootfähigen USB-Stick.

Unter Windows stellt das Projekt dafür einen eigenen USB-Installer bereit.

Nach der Erstellung startet man den Rechner neu und wählt den Stick im Bootmenü aus.

Memtest86+ läuft anschließend vollständig unabhängig von Windows oder Linux.

Das ist wichtig.

Ein Speichertest innerhalb eines laufenden Betriebssystems kann nicht ohne Weiteres den kompletten Arbeitsspeicher prüfen, weil Teile davon bereits vom Betriebssystem und laufenden Programmen belegt sind.

Genau deshalb sind bootfähige RAM-Tests weiterhin so nützlich.

Wie lange sollte Memtest86+ laufen?

Memtest86+ beendet sich nicht automatisch nach einem Durchlauf.

Das Programm läuft grundsätzlich in einer Endlosschleife weiter.

Nach einem vollständig abgeschlossenen Durchlauf wurde der gesamte verfügbare Speicher einmal mit der vorgesehenen Testfolge geprüft.

Wer mehr Sicherheit möchte, kann mehrere Durchläufe laufen lassen.

Persönlich lasse ich bei wirklich verdächtigen Systemen lieber mehrere vollständige Durchgänge laufen – gerne auch über Nacht.

Dass nach einem Durchlauf kein Fehler gefunden wurde, ist gut.

Mehrere fehlerfreie Durchläufe sind aber natürlich noch überzeugender.

Was tun, wenn Memtest86+ Fehler findet?

Tauchen Fehler auf, muss nicht zwangsläufig sofort ein RAM-Modul physisch defekt sein.

Besonders bei übertakteten Systemen sollte zuerst alles auf Standardwerte zurückgesetzt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

XMP oder EXPO, manuell angepasste Timings, RAM-Spannung und CPU-/Speichercontroller-Übertaktung.

Tritt der Fehler anschließend weiterhin auf, würde ich bei mehreren RAM-Modulen ein Modul nach dem anderen testen.

Auch ein Wechsel der Steckplätze kann helfen, zwischen einem fehlerhaften DIMM und einem Problem mit Mainboard oder Speichercontroller zu unterscheiden.

RAM-Fehler können leider erstaunlich kreativ sein.

Warum RAM überhaupt testen?

Defekter oder instabiler Arbeitsspeicher kann völlig unterschiedliche Symptome verursachen.

Windows kann abstürzen, Programme schließen sich unerwartet, Archive lassen sich plötzlich nicht mehr entpacken oder Dateien werden beschädigt.

Manchmal läuft der Rechner stundenlang problemlos und produziert erst unter hoher Last Fehler.

Genau deshalb ist der Arbeitsspeicher bei schwer nachvollziehbaren Systemproblemen für mich einer der ersten Kandidaten, die überprüft werden sollten.

Auch nach dem Zusammenbau eines neuen PCs oder Servers kann ein längerer Speichertest sinnvoll sein.

Dass Windows startet, beweist schließlich noch nicht, dass der RAM unter Last wirklich stabil arbeitet.

Memtest86+ ist nicht MemTest86

Eine Verwechslung passiert erstaunlich häufig.

Memtest86+ und MemTest86 sind heute zwei unterschiedliche Projekte.

Memtest86+ ist freie Open-Source-Software unter der GNU GPL v2.

MemTest86 wird dagegen seit 2013 von PassMark Software weiterentwickelt und ist ein eigenes Freemium-Produkt.

Die Namen und die gemeinsame Geschichte sind ähnlich, die aktuellen Programme sollte man jedoch nicht miteinander verwechseln.

Mein Eindruck

Memtest86+ 9.00 ist ein ungewöhnlich großes Update.

ARM64-Unterstützung, neue Speichertests, SIMD-Optimierungen, RowHammer, Bus-Stresstest und die Möglichkeit, Berichte direkt auf USB zu speichern, sind deutlich mehr als ein paar kleinere Wartungsarbeiten.

Besonders die ARM64-Unterstützung finde ich spannend.

Mit Snapdragon-X-Systemen und anderen ARM-PCs wird diese Architektur auf dem normalen Desktop zunehmend relevant. Ein Werkzeug wie Memtest86+ muss deshalb früher oder später dort ebenfalls funktionieren.

Und für klassische PCs bleibt es ohnehin eines meiner bevorzugten Programme zur Fehlersuche.

Fazit

Memtest86+ 9.00 ist die größte Aktualisierung des freien RAM-Testers seit der Version-6-Überarbeitung.

Erstmals werden ARM64-Systeme unterstützt. Dazu kommen neue SIMD-Tests, ein Bus-Stresstest, ein optionaler RowHammer-Test, verbesserte Bit-Fade-Prüfungen und eine Kontrolle der SPD-Daten.

Praktisch ist außerdem die neue Möglichkeit, Testergebnisse direkt auf einem FAT32-formatierten USB-Stick zu speichern.

Wer Abstürze oder unerklärliche Systemfehler untersucht, einen neuen PC zusammengebaut oder am Arbeitsspeicher geschraubt hat, bekommt damit ein deutlich modernisiertes Diagnosewerkzeug.

Manchmal ist der beste Windows-Fehlertest eben der, der Windows überhaupt nicht erst startet.

Quellen

Memtest86+ – GitHub:
Memtest86+ v9.00 Release
https://github.com/memtest86plus/memtest86plus/releases/tag/v9.00

Memtest86+ – offizielles Projekt:
Informationen zu Installation, unterstützten Plattformen, RAM-Diagnose und Secure Boot
https://www.memtest.org/