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Windows 95 nachgeholt: Das Windows, das ich als Kind übersprungen habe

KI-Generiertes Foto

Windows 95 gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Betriebssystemen, die Microsoft jemals veröffentlicht hat. Startmenü, Taskleiste und Windows-Explorer haben damals die Bedienung des PCs grundlegend verändert und prägen Windows in abgewandelter Form bis heute.

Für mich persönlich gibt es bei Windows 95 allerdings eine Besonderheit: Ich habe diese Windows-Version als Kind praktisch übersprungen.

Mein erster PC kam ungefähr 1995 von meiner älteren Schwester und lief noch mit MS-DOS und Windows 3.1. Erst 1998 bekam ich meinen ersten neuen, eigenen Rechner – und darauf war bereits Windows 98 installiert.

Windows 95 lag damit genau zwischen zwei Systemen, mit denen ich viele persönliche Erinnerungen verbinde.

Für meine Retro-PC-Serie wollte ich diese Lücke endlich schließen. Also habe ich Windows 95 in 86Box installiert und mir angesehen, wie groß der Sprung von Windows 3.1 damals tatsächlich gewesen sein muss.

Windows 95 veränderte die Bedienung des PCs

Microsoft veröffentlichte Windows 95 am 24. August 1995.

Der Verkaufsstart war für ein Betriebssystem außergewöhnlich groß aufgezogen. Microsoft machte daraus ein regelrechtes Medienereignis und setzte für die Werbung unter anderem auf „Start Me Up“ von den Rolling Stones.

Heute wirkt die Vorstellung fast etwas merkwürdig, dass Menschen für ein neues Betriebssystem vor Geschäften Schlange standen.

Heute sorgt Windows eher für Aufmerksamkeit, wenn der Rechner ungefragt einen Neustart möchte.

Technisch hatte Windows 95 die Aufmerksamkeit allerdings durchaus verdient.

Startmenü und Taskleiste waren damals etwas Neues

Der größte sichtbare Unterschied zu Windows 3.1 war die neue Benutzeroberfläche.

Unter Windows 3.1 arbeitete man noch mit dem Programm-Manager und verschiedenen Programmgruppen. Windows 95 ersetzte dieses Konzept durch etwas, das uns heute völlig selbstverständlich vorkommt.

Unten links erschien der Startknopf.

Daneben verlief die Taskleiste, auf der geöffnete Programme sichtbar waren und gewechselt werden konnten.

Der Desktop wurde stärker zum Mittelpunkt des Systems und mit dem Windows-Explorer bekam die Dateiverwaltung ebenfalls eine neue Struktur.

Viele grundlegende Bedienkonzepte moderner Windows-Versionen waren damit bereits vorhanden.

Auch technisch änderte sich einiges

Windows 95 war ein hybrides 16-/32-Bit-System und basierte weiterhin auf der DOS-orientierten Windows-9x-Architektur.

Trotzdem übernahm Windows wesentlich mehr Aufgaben selbst als noch Windows 3.1.

Zu den wichtigen Neuerungen gehörten unter anderem:

  • lange Dateinamen
  • verbessertes Multitasking
  • Plug & Play
  • modernere Hardwareverwaltung
  • Windows-Explorer
  • Startmenü und Taskleiste

Gerade die langen Dateinamen waren damals eine echte Erleichterung.

Unter DOS war man im Wesentlichen auf das bekannte 8.3-Schema beschränkt: acht Zeichen für den Dateinamen und drei für die Dateiendung.

Windows 95 konnte deutlich längere und verständlichere Dateinamen verwenden.

Heute denkt darüber kaum noch jemand nach. Damals war das ein echter Fortschritt.

Plug & Play sollte Hardware einfacher machen

Ein weiteres großes Versprechen hieß Plug & Play.

Neue Hardware sollte möglichst automatisch erkannt und eingerichtet werden.

Wer sich noch mit IRQs, DMA-Kanälen und manueller Soundkarten-Konfiguration beschäftigt hat, versteht vermutlich sofort, warum diese Idee ziemlich attraktiv war.

Natürlich funktionierte das 1995 nicht immer so elegant, wie Microsoft es gerne dargestellt hätte.

Der gelegentlich verwendete Spitzname „Plug & Pray“ kam schließlich nicht ganz ohne Grund zustande.

Trotzdem war die Richtung klar: Der PC sollte einfacher werden.

Mein Retro-PC bleibt derselbe

Wie schon bei meinen bisherigen Ausflügen zu MS-DOS 6.22 und Windows 3.1 verwende ich wieder 86Box.

Der Emulator bildet einen kompletten klassischen PC nach – inklusive Mainboard, Prozessor, Grafikkarte, Soundkarte und Laufwerken.

An meiner bisherigen Konfiguration ändere ich deshalb nichts Grundlegendes:

  • Emulator: 86Box 5.2 Build 8000
  • Mainboard: ASUS KN97
  • Prozessor: Pentium II Klamath mit 100 MHz
  • Arbeitsspeicher: 256 MB RAM
  • Grafikkarte: Diamond Stealth 3D 2000 Pro PCI
  • Soundkarte: Sound Blaster AWE32
  • Netzwerkkarte: Realtek RTL8029AS PCI
  • Festplatte: virtuelle IDE-Festplatte mit rund 5,2 GB
  • Laufwerke: 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und IDE-CD-ROM

Für Windows 95 ist diese Ausstattung ziemlich luxuriös.

Der Pentium II erschien schließlich erst 1997 und 256 MB RAM waren 1995 weit von einem typischen Heim-PC entfernt.

Das ist aber Absicht.

Ich möchte denselben virtuellen Rechner möglichst lange durch verschiedene Windows-Generationen begleiten. Spätestens bei Windows 2000 dürfte sich die zusätzliche Leistung dann bezahlt machen.

Die Installation beginnt noch unter DOS

Auch die Installation erinnert zunächst stärker an DOS als an moderne Windows-Versionen.

Meine Installationsdateien liegen unter:

C:\WIN95

Also zunächst:

CD \WIN95

und anschließend:

SETUP

Damit beginnt die eigentliche Installation.

Schon beim Start sieht man, dass DOS noch einige Vorbereitungen übernimmt. Unter anderem wird SMARTDrive verwendet, um Festplattenzugriffe zu beschleunigen.

Danach wechselt die Installation in die grafische Oberfläche.

Das Setup wirkt plötzlich erstaunlich modern

Nach Windows 3.1 fällt sofort auf, wie viel moderner der Windows-95-Installer aussieht.

Statt einer eher nüchternen Installation gibt es jetzt einen richtigen Assistenten mit Hintergrundgrafik, Fortschrittsanzeigen und erklärenden Texten.

Das Setup sammelt zunächst Informationen über den Computer, kopiert anschließend die benötigten Dateien und bereitet schließlich den Neustart vor.

Aus heutiger Sicht ist das alles natürlich ziemlich schlicht.

Im direkten Vergleich mit Windows 3.1 fühlt es sich aber bereits wie eine andere Generation an.

Ein Benutzername reicht

Während der Installation fragt Windows nach dem Namen des Benutzers und optional nach einer Firma.

Mehr braucht es zunächst nicht.

Kein Microsoft-Konto.

Keine verpflichtende Internetverbindung.

Keine Cloud-Einrichtung.

Kein „Nur noch drei Schritte bis zu deinem persönlichen Erlebnis“.

Einfach den Namen eingeben und weiter.

Verrückte Zeiten.

Windows sucht selbst nach der Hardware

Einer der interessanteren Schritte ist die automatische Hardwareerkennung.

Windows untersucht dabei verschiedene Komponenten des Computers.

Dazu gehören beispielsweise:

  • CD-ROM-Laufwerke
  • Netzwerkadapter
  • Soundhardware
  • MIDI-Geräte
  • Grafikkarten

Gerade hier merkt man, welchen Anspruch Microsoft mit Windows 95 hatte.

Unter DOS und Windows 3.1 musste deutlich mehr Hardware von Hand eingerichtet werden.

Windows 95 sollte dem Nutzer möglichst viel davon abnehmen.

Bei verbreiteter Hardware funktionierte das häufig schon ordentlich. Bei exotischeren Komponenten war aber weiterhin Handarbeit notwendig.

Auch in meiner 86Box-Umgebung bedeutet eine erfolgreiche Installation deshalb noch nicht, dass Grafik, Sound und Netzwerk anschließend automatisch perfekt eingerichtet sind.

Das schaue ich mir später noch genauer an.

Eine Startdiskette gehört natürlich dazu

Während der Installation kommt ein Schritt, der heute fast schon nostalgisch wirkt.

Windows 95 fragt, ob eine Startdiskette erstellt werden soll.

Dafür muss tatsächlich eine Diskette in Laufwerk A: eingelegt werden.

Das Setup weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass vorhandene Daten auf der Diskette gelöscht werden.

Solche Startdisketten waren damals durchaus sinnvoll.

Wenn Windows nicht mehr startete, konnte man damit den Rechner hochfahren und auf wichtige DOS-Werkzeuge zugreifen.

Heute verwenden wir dafür USB-Sticks oder die Windows-Wiederherstellungsumgebung.

Die Technik hat sich geändert – die Idee dahinter eigentlich kaum.

Der erste Neustart

Nachdem die Dateien kopiert wurden, kündigt das Setup schließlich den Neustart an.

Und dann erscheint er:

der klassische Windows-95-Startbildschirm.

Blauer Himmel, Wolken und das Windows-Logo.

Für mich persönlich ist zwar eher der Windows-98-Startbildschirm mit Kindheitserinnerungen verbunden, aber die Verwandtschaft ist unverkennbar.

Nach dem Neustart wird die Installation fortgesetzt.

Windows richtet die erkannte Hardware ein und fragt unter anderem nach Datum, Uhrzeit und Zeitzone.

Auch die klassische Weltkarte taucht dabei wieder auf.

Solche Kleinigkeiten lösen bei alten Windows-Versionen erstaunlich schnell Erinnerungen aus.

Endlich der Windows-95-Desktop

Nach den letzten Einrichtungsschritten startet Windows 95 schließlich vollständig.

Und da ist er:

der Startknopf.

Unten links.

Daneben die Taskleiste.

Programme und Dateien werden nicht mehr über den alten Programm-Manager organisiert. Stattdessen gibt es das Startmenü, den Desktop und den Windows-Explorer.

Heute wirkt das vollkommen normal.

Wenn man unmittelbar vorher Windows 3.1 verwendet hat, ist der Unterschied allerdings enorm.

Die Oberfläche fühlt sich wesentlich geschlossener an.

Viele Dinge benutzen wir bis heute

Über das Startmenü erreicht man Programme, Dokumente, Einstellungen und die Funktionen zum Herunterfahren.

Mit dem Windows-Explorer lassen sich Dateien deutlich übersichtlicher verwalten.

Dazu kommen weitere Dinge, die heute völlig selbstverständlich sind:

  • Kontextmenüs per rechter Maustaste
  • Papierkorb
  • Desktop-Verknüpfungen
  • Taskleiste
  • längere Dateinamen

Natürlich sieht Windows heute komplett anders aus.

Die grundlegende Idee dahinter ist aber erstaunlich ähnlich geblieben.

Mein Windows 95 hat bereits Active Desktop

Bei meiner Installation gibt es allerdings eine Besonderheit.

Statt des ursprünglichen klassischen Windows-95-Desktops erscheint bei mir eine schwarze Oberfläche mit dem Schriftzug Active Desktop.

Zusätzlich gibt es Verknüpfungen zu verschiedenen damaligen Internetdiensten.

Zu sehen sind unter anderem:

  • MSN
  • CompuServe
  • T-Online
  • Internet Explorer
  • Outlook Express

Das ist nicht die ursprüngliche Windows-95-Oberfläche vom August 1995.

Active Desktop kam erst später mit Internet Explorer 4.0 hinzu und fand seinen Weg in spätere Windows-95-Umgebungen.

Welche genaue Windows-95-Ausgabe bei mir vorliegt, lässt sich allein anhand der Oberfläche nicht zweifelsfrei festlegen.

Klar ist aber: Diese Installation stammt aus einer späteren Phase von Windows 95.

Active Desktop wirkt wie ein früher Vorläufer der Widgets

Die Idee hinter Active Desktop war aus heutiger Sicht erstaunlich modern.

Webinhalte sollten direkt auf dem Desktop angezeigt und regelmäßig aktualisiert werden können.

Wenn man darüber nachdenkt, erinnert das durchaus an spätere Desktop-Gadgets, Live Tiles oder die heutigen Windows-Widgets.

Nur dass damals statt Wetterkarten und Nachrichtenfeeds verschiedene Internetkanäle auf dem Desktop auftauchten.

Interessant finde ich auch die alten Online-Dienste.

T-Online, CompuServe und MSN erinnern an eine Zeit, in der ein Internetzugang noch längst keine Selbstverständlichkeit war.

Dadurch zeigt meine Installation nicht nur ein Stück Windows-Geschichte, sondern gleichzeitig ein Stück frühe Internetgeschichte.

Windows 95 erklärt mir mein Windows 98

Für mich persönlich ist genau dieser Vergleich besonders interessant.

1998 bekam ich meinen ersten neuen eigenen Computer.

Darauf lief bereits Windows 98.

Der Unterschied zu dem älteren Rechner mit MS-DOS und Windows 3.1 war damals riesig.

Jetzt, beim Nachholen von Windows 95, wird mir aber klar, dass viele Dinge, die ich mit Windows 98 verbinde, schon drei Jahre zuvor vorhanden waren.

Startmenü.

Taskleiste.

Windows-Explorer.

Desktop.

Kontextmenüs.

Windows 98 entwickelte dieses Konzept weiter – die eigentliche Grundlage war aber längst vorhanden.

War Windows 95 wirklich so ein großer Fortschritt?

Nach diesem Experiment kann ich zumindest besser nachvollziehen, warum Windows 95 damals so viel Aufmerksamkeit bekam.

Der Sprung von Windows 3.1 ist deutlich.

Die Bedienung wirkt zusammenhängender und wesentlich einfacher.

Natürlich war nicht alles perfekt.

Windows 95 basierte weiterhin auf der Windows-9x-Architektur und war nicht so robust wie spätere NT-basierte Windows-Versionen.

Auch die Hardwareunterstützung konnte weiterhin Schwierigkeiten machen.

USB spielte bei der ursprünglichen Veröffentlichung praktisch noch keine Rolle und wurde erst später nachgerüstet.

Für Spiele und Multimedia war Windows 95 trotzdem ein wichtiger Schritt.

Mit DirectX und der zunehmenden Zahl echter Windows-Spiele begann sich der PC-Spielemarkt langsam von DOS in Richtung Windows zu bewegen.

DOS-Spiele verschwanden deshalb natürlich nicht über Nacht.

Beide Welten existierten noch lange nebeneinander.

Und genau diese Übergangsphase macht Windows 95 heute so interessant.

Mein Eindruck

Mit Windows 95 verbinde ich persönlich deutlich weniger Kindheitserinnerungen als mit MS-DOS, Windows 3.1 oder Windows 98.

Trotzdem hat sich die Installation absolut gelohnt.

Gerade der direkte Vergleich mit Windows 3.1 zeigt sehr schön, wie viel Microsoft damals verändert hat.

Viele Dinge, die später für mich selbstverständlich waren, entstanden bereits mit Windows 95.

Auch die Installation selbst macht Spaß.

Unter DOS das Setup starten, Hardware suchen lassen, Disketten verwenden und anschließend zum ersten Mal das Startmenü öffnen – mehr 90er-Jahre-PC geht eigentlich kaum.

Fazit: Das Windows, das ich damals verpasst habe

Windows 95 läuft jetzt ebenfalls auf meinem virtuellen Retro-PC.

Damit habe ich eine kleine Lücke in meiner eigenen Computergeschichte geschlossen.

Während andere 1995 den neuen Startknopf entdeckten, saß ich noch vor MS-DOS und Windows 3.1.

Mein persönlicher Sprung in die modernere Windows-Welt kam erst 1998 mit meinem ersten neuen Rechner und Windows 98.

Beim heutigen Nachholen von Windows 95 verstehe ich dafür umso besser, woher viele Dinge kamen, die später für mich vollkommen selbstverständlich waren.

Microsoft hatte bereits drei Jahre vorher den Grundstein für die Windows-Oberfläche gelegt, mit der ich schließlich selbst aufgewachsen bin.

Für meine Retro-Serie geht es deshalb als Nächstes mit dem Betriebssystem weiter, zu dem ich deutlich mehr persönliche Erinnerungen habe:

Windows 98.

Darauf freue ich mich besonders.

Schließlich war es das erste Windows auf meinem eigenen neuen Computer.

Windows 95 habe ich damals übersprungen. Heute weiß ich zumindest, was ich dabei verpasst habe.

Quellen und weiterführende Links

86Box – offizielles Projekt:
https://86box.net/

WinWorld – Betriebssystem-Archiv:
https://winworldpc.com/library/operating-systems