Windows 98 SE mit Internet in 86Box: So funktioniert SLiRP

Eine funktionierende Internetverbindung unter Windows 98 Second Edition in 86Box einzurichten, klingt zunächst eigentlich nicht besonders kompliziert.
Netzwerkkarte auswählen, TCP/IP konfigurieren, Internet Explorer starten – fertig.
Zumindest theoretisch.
In meinem Fall waren die Einstellungen tatsächlich fast von Anfang an richtig. Trotzdem kam Windows 98 nicht ins Internet. Nach einigen Tests stellte sich schließlich heraus, dass die Ursache deutlich banaler war als erwartet:
Das virtuelle Netzwerkkabel in 86Box war schlicht nicht verbunden.
Nachdem ich es aktiviert hatte, funktionierten sowohl die Internetverbindung als auch der Zugriff auf Webseiten.
Und genau deshalb möchte ich die funktionierende Konfiguration hier einmal komplett festhalten.
Windows 98 SE bekommt eine virtuelle Realtek-Netzwerkkarte
Für meinen Retro-PC verwende ich weiterhin 86Box 5.2.
Als Betriebssystem läuft die deutsche Version von Windows 98 Second Edition.
Für die Netzwerkverbindung habe ich folgende Konfiguration gewählt:
| Einstellung | Konfiguration |
|---|---|
| Emulator | 86Box 5.2 |
| Betriebssystem | Windows 98 SE Deutsch |
| Netzwerkkarte | Realtek RTL8029AS PCI |
| Netzwerkmodus | SLiRP (NAT) |
| Virtuelles Netzwerkkabel | Verbunden |
Die Realtek RTL8029AS PCI passt gut zu einem Rechner dieser Zeit und wird von Windows 98 entsprechend unterstützt.
Als Netzwerkmodus kommt SLiRP zum Einsatz.
Dabei stellt 86Box dem emulierten Rechner eine virtuelle NAT-Verbindung zur Verfügung. Eine zusätzliche Netzwerk-Bridge zum echten Heimnetz ist dafür nicht notwendig.
Das virtuelle Netzwerkkabel nicht vergessen
Und genau hier lag bei mir der entscheidende Fehler.
Die virtuelle Netzwerkkarte war korrekt eingerichtet.
Windows 98 erkannte sie.
TCP/IP war konfiguriert.
Trotzdem kam kein einziges Paket nach draußen.
Der Grund war simpel:
Das virtuelle Netzwerkkabel war getrennt.
In 86Box lässt es sich über:
Medien → Netzwerk → Verbinden
aktivieren.
Eigentlich logisch.
Aber wenn Windows die Netzwerkkarte problemlos erkennt und alle Einstellungen korrekt aussehen, denkt man nicht unbedingt als Erstes daran, dass irgendwo noch ein virtuelles Kabel herumliegt, das niemand eingesteckt hat.
Retro-PC-Fehlersuche kann also auch 2026 noch überraschend authentisch sein.
Meine funktionierende TCP/IP-Konfiguration
Für die erste Netzwerkkarte verwendet meine SLiRP-Konfiguration folgende Werte:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| IP-Adresse | 10.0.2.15 |
| Subnetzmaske | 255.255.255.0 |
| Standard-Gateway | 10.0.2.2 |
| DNS-Server | 10.0.2.3 |
| DNS-Host | win98 |
| DNS-Domäne | leer |
| IP-Zuweisung | statisch |
Die Werte habe ich unter Windows 98 direkt in den TCP/IP-Einstellungen des Realtek-Adapters hinterlegt.
Besonders wichtig sind dabei natürlich Gateway und DNS-Server.
Ohne Gateway kennt Windows zwar sein eigenes Netzwerk, weiß aber nicht, wie es das Internet erreichen soll.
Ohne DNS funktioniert der Zugriff über IP-Adressen möglicherweise, normale Domainnamen lassen sich dann aber nicht auflösen.
Windows 98 braucht dafür keine Modemeinwahl
Windows 98 stammt aus einer Zeit, in der eine Internetverbindung für viele Nutzer automatisch auch eine Einwahlverbindung bedeutete.
Für die virtuelle Ethernet-Verbindung über 86Box ist das aber nicht notwendig.
Im Internet Explorer habe ich unter den Verbindungseinstellungen deshalb festgelegt:
- keine Einwahlverbindung verwenden
- keine automatische LAN-Konfiguration
- keinen Proxyserver verwenden
Windows nutzt damit direkt die vorhandene Ethernet-Verbindung.
MSN oder eine klassische Modemkonfiguration werden nicht benötigt.
Das fühlt sich auf einem Windows-98-Rechner fast schon ungewohnt modern an.
Erste Tests: Die eigene IP funktioniert
Bei der Fehlersuche habe ich zunächst die lokale Netzwerkkonfiguration überprüft.
Ein:
ping 10.0.2.15funktionierte problemlos.
Das war allerdings noch kein Beweis dafür, dass die Netzwerkkarte tatsächlich mit der Außenwelt kommunizieren konnte.
Damit pingt Windows schließlich nur seine eigene IP-Adresse an.
Der Test bestätigt also hauptsächlich, dass der lokale TCP/IP-Stack funktioniert.
Und genau diese Unterscheidung war hier wichtig.
Gateway und DNS zunächst nicht erreichbar
Die nächsten Tests sahen weniger gut aus:
ping 10.0.2.2und:
ping 10.0.2.3lieferten zunächst Zeitüberschreitungen.
Auch das Internet war nicht erreichbar.
An diesem Punkt lag der Verdacht natürlich erst einmal auf den TCP/IP-Einstellungen oder dem Netzwerkmodus.
Die waren allerdings korrekt.
Erst das fehlende virtuelle Kabel erklärte, warum Windows zwar problemlos mit sich selbst kommunizieren konnte, aber nicht mit dem virtuellen Netzwerk.
Der entscheidende Moment
Nachdem ich in 86Box das virtuelle Netzwerkkabel verbunden hatte, änderte sich die Situation sofort.
Ein Test mit:
ping 8.8.8.8war erfolgreich.
Damit war klar:
Windows 98 konnte tatsächlich Pakete ins Internet schicken und Antworten empfangen.
Auch ICMP funktionierte in meiner aktuellen SLiRP-Konfiguration nach außen.
Damit war der wichtigste Teil geschafft.
Und plötzlich funktioniert der Internet Explorer
Als nächsten Test habe ich den Internet Explorer gestartet.
Der Aufruf von:
http://86box.net/funktionierte.
Damit waren gleich mehrere Dinge bestätigt:
- die Netzwerkkarte funktioniert
- SLiRP funktioniert
- das Gateway funktioniert
- DNS-Auflösung funktioniert
- eine HTTP-Verbindung funktioniert
Für einen Windows-98-Rechner in einer virtuellen Umgebung ist das ein ziemlich schönes Ergebnis.
Und ja: Einen Internet Explorer unter Windows 98 wieder tatsächlich eine Webseite laden zu sehen, hat durchaus einen gewissen Nostalgiefaktor.
NeverSSL war kein sinnvoller Gegentest
Als weiteren Test hatte ich neverssl.com ausprobiert.
Die Seite ließ sich nicht erreichen.
Zunächst könnte man natürlich vermuten, dass Windows 98 oder der alte Browser daran schuld sind.
Interessanterweise ließ sich die Seite bei meinem Test aber auch unter Windows 11 nicht erreichen.
Damit war dieser Test für die Diagnose nicht besonders hilfreich.
Entscheidender war für mich, dass 86box.net erfolgreich geladen wurde und auch der Ping ins Internet funktionierte.
Der PPP-Adapter mit 0.0.0.0 war nicht das Problem
Bei der Fehlersuche kann winipcfg unter Windows 98 ebenfalls etwas verwirren.
Dort tauchte zusätzlich ein PPP-Adapter mit:
0.0.0.0auf.
Das sieht zunächst verdächtig aus.
Für meine Ethernet-Verbindung war dieser Adapter allerdings vollkommen irrelevant.
Entscheidend war ausschließlich die Realtek RTL8029AS PCI.
Solange dort die korrekten TCP/IP-Werte angezeigt werden, muss man sich vom PPP-Eintrag nicht auf die falsche Fährte führen lassen.
Was ich bei der Fehlersuche gelernt habe
Der wichtigste Punkt ist eigentlich ziemlich simpel:
Eine korrekt eingerichtete Netzwerkkarte bedeutet noch nicht, dass sie tatsächlich verbunden ist.
Gerade bei einem Emulator gibt es mehrere Ebenen, die funktionieren müssen.
Windows muss die Netzwerkkarte erkennen.
Der Treiber muss funktionieren.
TCP/IP muss korrekt eingerichtet sein.
86Box muss den passenden Netzwerkmodus verwenden.
Und am Ende muss auch noch das virtuelle Kabel verbunden sein.
Fehlt nur einer dieser Punkte, funktioniert die Verbindung nicht.
Die sinnvolle Reihenfolge beim Testen
Wenn ich die Konfiguration noch einmal von vorne prüfen müsste, würde ich heute systematisch vorgehen.
Zuerst kontrollieren, ob die Netzwerkkarte im Geräte-Manager korrekt erkannt wird.
Danach die IP-Konfiguration prüfen.
Anschließend:
ping 10.0.2.15Danach eine externe IP:
ping 8.8.8.8Und zuletzt eine Webseite über einen Domainnamen öffnen.
So lässt sich relativ schnell erkennen, an welcher Stelle die Verbindung scheitert.
Funktioniert die eigene IP, aber nichts außerhalb des Rechners, würde ich bei 86Box inzwischen ziemlich früh einen Blick auf das virtuelle Netzwerkkabel werfen.
Aus Gründen.
Moderne Webseiten bleiben ein anderes Problem
Eine funktionierende Internetverbindung bedeutet natürlich nicht, dass Windows 98 heute problemlos im modernen Web unterwegs sein kann.
Dafür ist das System schlicht zu alt.
Insbesondere moderne Verschlüsselungsverfahren, Zertifikate, TLS-Versionen und Webtechniken können für alte Browser zum Problem werden.
Viele heutige Webseiten werden deshalb im damaligen Internet Explorer überhaupt nicht oder nur fehlerhaft funktionieren.
Das liegt dann aber nicht zwangsläufig an der Netzwerkverbindung selbst.
Genau deshalb ist ein einfacher HTTP-Test hilfreich, wenn man lediglich kontrollieren möchte, ob die Verbindung grundsätzlich funktioniert.
Windows 98 tatsächlich wieder online zu sehen, ist schon etwas Besonderes
Für meine Retro-Serie ist dieser Schritt ziemlich spannend.
Windows 98 einfach nur zu installieren und ein paar alte Programme zu starten, ist das eine.
Den Rechner tatsächlich wieder mit einem Netzwerk zu verbinden, fühlt sich noch einmal anders an.
Gerade weil meine eigenen ersten Internet-Erfahrungen ebenfalls in diese Zeit fallen.
Damals natürlich noch mit Modem, Einwahltönen und Geschwindigkeiten, über die man heute lieber nicht mehr nachdenken möchte.
In 86Box läuft die Verbindung nun zwar deutlich komfortabler über NAT, aber allein der Anblick eines funktionierenden Internet Explorers unter Windows 98 bringt einiges zurück.
Fazit: Am Ende fehlte nur das Kabel
Die Einrichtung von Windows 98 SE mit Internet in 86Box funktioniert bei mir zuverlässig mit der emulierten Realtek RTL8029AS PCI und SLiRP.
Die entscheidenden Einstellungen sind:
IP: 10.0.2.15
Subnetzmaske: 255.255.255.0
Gateway: 10.0.2.2
DNS: 10.0.2.3
Im Internet Explorer wird keine Einwahlverbindung und kein Proxy benötigt.
Und dann gibt es noch die wichtigste Einstellung von allen:
Das virtuelle Netzwerkkabel muss verbunden sein.
Meine Konfiguration war also fast die ganze Zeit korrekt. Das Problem saß diesmal weder in Windows 98 noch im Treiber und auch nicht im TCP/IP-Stack.
Das Kabel war einfach nicht drin.
Manche Dinge ändern sich eben nie – selbst wenn das Kabel nur virtuell existiert.