Windows 98 in 86Box: Die Windows-Zeit meiner Kindheit

Wenn ich an Windows 98 denke, denke ich nicht zuerst an Versionsnummern, Systemdateien oder technische Neuerungen.
Ich denke an Spiele. An Disketten. An fehlende Treiber. An das Geräusch eines Modems. An den abgesicherten Modus. Und an dieses großartige Gefühl, wenn der Rechner nach stundenlangem Herumprobieren plötzlich wieder funktionierte.
Windows 98 war das erste Windows, das auf meinem eigenen neuen Computer lief. Nachdem ich meine ersten Erfahrungen noch mit MS-DOS und Windows 3.1 auf dem alten Rechner meiner Schwester gesammelt hatte, bekam ich 1998 im Alter von ungefähr acht Jahren einen komplett neuen PC.
Darauf lief Windows 98.
Damit begann für mich eine Zeit, an die ich mich bis heute erstaunlich gut erinnern kann.
Nachdem ich in den bisherigen Teilen meiner Retro-Serie bereits MS-DOS 6.22, Windows 3.1 und anschließend das von mir damals weitgehend übersprungene Windows 95 ausprobiert habe, kommt jetzt also das Betriebssystem, bei dem die Erinnerungen deutlich persönlicher werden.
Windows 98 war mein erstes eigenes Windows
Der Unterschied zu meinem vorherigen Rechner war für mich damals riesig.

MS-DOS und Windows 3.1 kannte ich zwar schon, aber Windows 98 fühlte sich wesentlich moderner an.
Startmenü, Taskleiste und Windows-Explorer waren für mich vollkommen selbstverständlich. Erst beim nachträglichen Ausprobieren von Windows 95 wurde mir klar, dass Microsoft diese Grundlagen bereits einige Jahre vorher eingeführt hatte.
1998 interessierte mich das natürlich herzlich wenig.
Der Computer musste vor allem eines können:
Spiele starten.
Und davon gab es einige.
Prince of Persia kam aus meiner DOS-Zeit mit
Eines der ältesten Spiele, an die ich mich erinnere, war Prince of Persia von 1989.
Das hatte ich bereits auf dem älteren Rechner unter MS-DOS beziehungsweise Windows 3.1 kennengelernt und später auch auf meinem Windows-98-PC weitergespielt.
Heute ist es fast schon interessant, dass solche älteren DOS-Spiele noch lange parallel zu den neueren Windows-Titeln genutzt wurden.
Für mich gab es damals keine klare Trennung nach dem Motto: Das ist ein DOS-Spiel und das ist ein Windows-Spiel.
Wenn es lief, wurde es gespielt.
Ganz einfach.
Age of Empires wurde zum großen Zeitfresser
Mit Windows 98 kamen dann die Spiele, die ich stärker mit dieser Zeit verbinde.
Dazu gehörte Age of Empires und später natürlich Age of Empires II.
Stundenlang Ressourcen sammeln, Gebäude errichten und anschließend feststellen, dass der Gegner offenbar wesentlich besser wusste, was er tat.
Einige Spiele altern technisch.
Andere sorgen Jahrzehnte später noch dafür, dass plötzlich drei Stunden verschwunden sind.
Age of Empires gehört für mich ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Moorhuhn durfte natürlich nicht fehlen
Ende der 90er kam praktisch niemand an Moorhuhn vorbei.
Das Spiel war simpel, schnell verstanden und gefühlt auf jedem zweiten Computer installiert.
Eigentlich musste man nur Moorhühner abschießen und versuchen, eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen.
Mehr brauchte es offenbar nicht.
Moorhuhn gehört für mich deshalb genauso zur Windows-98-Zeit wie das Startmenü oder die klassische graue Benutzeroberfläche.
Joe Clever: Ein Werbespiel, das hängen geblieben ist
Eine ganz besondere Erinnerung habe ich an Joe Clever – Joes Traum.
Wenn ich mich richtig erinnere, gab es damals bei uns in der Schule Milch in Tetra Paks mit der Figur Joe Clever.
Passend dazu existierte auch ein Computerspiel.
Das Besondere daran ist für mich weniger das Spiel selbst, sondern dass ich es damals gemeinsam mit meiner Mutter gespielt habe.
Solche kleinen Erinnerungen bleiben erstaunlicherweise viel stärker hängen als irgendwelche technischen Daten eines Computers.
Wenn ich heute an alte PC-Spiele denke, gehört Joe Clever deshalb automatisch dazu.
Später kam auch GTA 3 dazu
Mit der Zeit wurden die Spiele natürlich etwas moderner.
Irgendwann kam auch GTA 3 dazu.
Das erschien zwar erst in den frühen 2000ern, gehört für mich aber noch zu dieser PC-Phase.
Dass meine Eltern damals nicht unbedingt jedes Detail über GTA wissen mussten, versteht sich vermutlich von selbst.
Manche Dinge liefen unter der Rubrik:
„Das ist nur ein Autorennspiel.“
Mehr Informationen waren nicht erforderlich.
Windows 98 bedeutete aber nicht nur Spielen
So schön die Erinnerungen heute sind: Der Rechner funktionierte damals keineswegs immer problemlos.
Windows 98 konnte durchaus deutlich machen, dass Computer auch Arbeit verursachen.
Bluescreens, fehlende Treiber und Hardwareprobleme gehörten regelmäßig dazu.
Besonders spannend wurde es, wenn neue Geräte angeschlossen wurden.
Ein Scanner.
Ein Drucker.
Eine neue Soundkarte.
Heute steckt man viele Geräte ein und Windows erledigt den Rest.
Damals begann danach gerne erst das eigentliche Abenteuer.
Der Treiber mit der Krabbe
Eine Geschichte ist mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Nach einer Neuinstallation von Windows 98 fehlte plötzlich der Audiotreiber.
Windows funktionierte.
Die Spiele funktionierten.
Nur Ton gab es keinen.
Und Spielen ohne Sound war selbstverständlich keine akzeptable Dauerlösung.
Das Problem war nur: Ich konnte den richtigen Treiber damals selbst nicht mehr finden.
Also fragte ich meinen Informatiklehrer in der Schule um Hilfe.
Er suchte den passenden Realtek-Treiber aus dem Internet heraus und kopierte ihn mir auf eine Diskette.
Ich erinnere mich noch daran, dass er ihn sinngemäß als den Treiber „mit der Krabbe“ beziehungsweise „mit dem Krebs“ bezeichnete.
Gemeint war natürlich das bekannte Realtek-Logo.
Mit der Diskette ging es anschließend nach Hause, Treiber installiert – und plötzlich hatte der Rechner wieder Ton.
Heute dauert die Suche nach einem Audiotreiber vielleicht wenige Minuten.
Damals fühlte sich so etwas wie eine erfolgreiche Reparatur an.
Und für mich war es das auch.
F8 und die Hoffnung auf den abgesicherten Modus
Ein weiterer fester Bestandteil meiner Windows-98-Erinnerungen ist der abgesicherte Modus.
Wenn Windows nicht mehr richtig starten wollte, hieß es:
Rechner einschalten.
Im richtigen Moment F8 drücken.
Und hoffen.
Im abgesicherten Modus wurden nur die notwendigsten Komponenten und Treiber geladen. Dadurch konnte man zumindest versuchen herauszufinden, welche Änderung Windows gerade wieder aus dem Tritt gebracht hatte.
Auch dabei hat mir meine Mutter häufig geholfen.
Sie besaß damals ein Buch über MS-DOS beziehungsweise Windows, in dem verschiedene Fehlerbilder und Lösungsmöglichkeiten beschrieben waren.
Also saßen wir gemeinsam vor dem Rechner, blätterten im Buch und versuchten herauszufinden, warum Windows diesmal nicht mehr wollte.
Fehler suchen ohne Google auf dem zweiten Bildschirm
Aus heutiger Sicht war die Fehlersuche vollkommen anders.
Heute hat man neben dem problematischen PC ein Smartphone liegen.
Fehlermeldung eintippen.
Suchmaschine öffnen.
Forum finden.
Video anschauen.
Fertig.
Damals war genau der Computer, der nicht funktionierte, häufig auch der einzige Zugang zu Informationen.
Wenn das Internet ebenfalls nicht funktionierte, wurde es besonders interessant.
Dann gab es Bücher, Handbücher, Disketten oder jemanden, der sich vielleicht besser auskannte.
Rückblickend waren solche Situationen manchmal ziemlich nervig.
Aber wahrscheinlich habe ich gerade dadurch als Kind sehr viel über Computer gelernt.
Wenn nach mehreren Stunden schließlich wieder der Windows-Desktop erschien, war das ein echtes Erfolgserlebnis.
Die ersten Schritte ins Internet
Ein weiterer wichtiger Teil meiner Windows-98-Zeit war das Internet.
DSL war bei uns damals noch kein Thema.
Stattdessen ging es über ein klassisches Modem ins Netz.
Wer diese Zeit erlebt hat, braucht wahrscheinlich keine weitere Beschreibung.
Dieses Geräusch vergisst man nicht.
Erst hörte es sich ungefähr so an, als würde ein Faxgerät mit einem kaputten Roboter diskutieren – und irgendwann stand tatsächlich eine Internetverbindung.
Und während man online war, sollte möglichst niemand etwas Unüberlegtes mit der Telefonleitung machen.
Internet unter Windows 98 in 86Box
Genau diesen Teil möchte ich in meinem heutigen Retro-PC ebenfalls wieder ausprobieren.
In 86Box ist es mir inzwischen erstmals gelungen, unter Windows 98 eine funktionierende Internetverbindung einzurichten.
Das finde ich für dieses Experiment besonders spannend.
Ein Betriebssystem aus den späten 90ern einfach nur offline zu starten ist das eine.
Es tatsächlich wieder mit einem Netzwerk zu verbinden und einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie sich der damalige Online-PC anfühlte, ist noch einmal etwas anderes.
Natürlich muss man dabei heute entsprechend vorsichtig sein.
Ein ungepatchtes Windows 98 gehört nicht einfach ungeschützt ins moderne Internet.
Für einen kontrollierten Retro-Versuch ist die Netzwerkfunktion von 86Box aber ausgesprochen interessant.
Mein Windows-98-PC in 86Box
Wie in den bisherigen Teilen meiner Retro-Serie bleibt die grundlegende virtuelle Hardware erhalten.
Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil des Projekts.
Ich möchte nicht für jede Windows-Version einen perfekt zeitgenössischen Rechner bauen, sondern denselben virtuellen Computer Stück für Stück durch die verschiedenen Windows-Generationen begleiten.
Dadurch lässt sich auch schön beobachten, wie sich die Anforderungen verändern.
Bei Windows 98 sind wir nun endgültig in dem Bereich angekommen, für den die virtuelle Hardware deutlich besser passt als noch bei Windows 3.1 oder der ursprünglichen Windows-95-Zeit.
Die Spiele müssen natürlich ebenfalls zurück
Ein Windows-98-Retro-PC ohne Spiele wäre für mich nur die halbe Erfahrung.
Deshalb möchte ich mehrere Titel ausprobieren, die ich mit dieser Zeit verbinde.
Dazu gehören unter anderem:
- Prince of Persia
- Age of Empires
- Age of Empires II
- Moorhuhn
- Joe Clever – Joes Traum
- später auch GTA 3
Dabei geht es mir gar nicht darum, irgendwelche Benchmarks aufzustellen.
Ich möchte vielmehr sehen, wie sich diese Spiele heute anfühlen.
Wie sehen die Menüs aus?
Wie klingt die Musik?
Wie umständlich ist die Installation?
Und vor allem:
Wie viel davon kommt einem sofort wieder bekannt vor?
Retro bedeutet eben nicht nur die schönen Seiten
Bei solchen Rückblicken erinnert man sich gerne hauptsächlich an die guten Dinge.
An Spiele.
An den ersten Internetzugang.
An den eigenen Computer.
Die weniger angenehmen Seiten geraten schnell in Vergessenheit.
Windows 98 erinnert mich aber auch an:
- Bluescreens
- Treiberdisketten
- Hardwarekonflikte
- abgesicherten Modus
- endlose Neustarts
- Geräte, die einfach nicht erkannt wurden
Und irgendwie gehört genau das dazu.
Ein Retro-PC, bei dem alles beim ersten Versuch funktioniert, wäre fast schon historisch unglaubwürdig.
Mein Eindruck
Windows 98 ist für mich deutlich mehr als nur der nächste Schritt nach Windows 95.
Hier beginnt der Teil meiner Retro-Serie, bei dem ich nicht nur ein altes Betriebssystem untersuche.
Ich erinnere mich an meinen eigenen Rechner.
An bestimmte Spiele.
An meine Mutter, die mit einem Windows-Buch neben mir saß.
An meinen Informatiklehrer und die Diskette mit dem Realtek-Treiber.
Und an die ersten vorsichtigen Schritte ins Internet.
Gerade deshalb freue ich mich auf diesen Teil der Serie besonders.
Fazit: Windows 98 ist meine eigentliche Retro-Zeit
MS-DOS und Windows 3.1 waren meine ersten Schritte am Computer.
Windows 95 habe ich weitgehend übersprungen und erst jetzt richtig nachgeholt.
Windows 98 war dagegen mein eigenes Windows.
Damit habe ich gespielt, gelernt, Dinge kaputtgemacht und wieder repariert.
Ich habe meine ersten Erfahrungen mit dem Internet gesammelt, Treiber gesucht, Bluescreens gesehen und wahrscheinlich deutlich öfter F8 gedrückt, als mir damals lieb war.
Rückblickend waren gerade diese kleinen Probleme ein wichtiger Teil davon, wie ich Computer kennengelernt habe.
Und natürlich waren da die Spiele.
Prince of Persia, Moorhuhn, Age of Empires, Joe Clever und später GTA 3 – jeder dieser Titel gehört für mich auf seine Weise zu dieser Zeit.
Jetzt möchte ich herausfinden, wie viel davon sich mehr als zwei Jahrzehnte später in 86Box wieder zurückholen lässt.
Diesmal besuche ich nicht einfach ein altes Windows. Ich kehre zu meinem eigenen zurück.