WhatsApp testet „Restricted Chat“: Bestimmte Chats bleiben künftig nur auf dem Hauptgerät

WhatsApp baut den Schutz einzelner Unterhaltungen weiter aus. In der aktuellen WhatsApp Beta für Android 2.26.39.11 wird die bisherige Funktion „Advanced Chat Privacy“ nach und nach durch Restricted Chat ersetzt.
Der neue Name ist meiner Meinung nach auch deutlich verständlicher. Denn die bisherige Bezeichnung konnte schnell den Eindruck erwecken, normale WhatsApp-Chats seien ohne diese Funktion weniger sicher. Das stimmt so nicht: Nachrichten und Anrufe sind weiterhin standardmäßig Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
Restricted Chat ist vielmehr eine zusätzliche Schutzschicht für besonders sensible Gespräche.
Was passiert bei einem eingeschränkten Chat?
Die Funktion lässt sich direkt in den Informationen eines einzelnen Chats aktivieren.
Sie ist standardmäßig ausgeschaltet und muss bewusst eingeschaltet werden. Sobald das passiert, gelten für die Unterhaltung mehrere Einschränkungen.
Aktuell gehören dazu:
- Medien werden nicht automatisch in der Galerie gespeichert
- der Chat kann nicht exportiert werden
- Meta-AI-Funktionen stehen in diesem Gespräch nicht zur Verfügung
- der Chat ist ausschließlich auf dem Hauptgerät verfügbar
Gerade der letzte Punkt ist die wichtigste Neuerung.
Keine Anzeige mehr auf verknüpften Geräten
Bisher konnten Chats mit der erweiterten Datenschutzfunktion weiterhin auf verknüpften Geräten erscheinen.
Bei Restricted Chat ändert WhatsApp das.
Wird eine Unterhaltung eingeschränkt, können Nachrichten daraus nur noch auf dem primären Smartphone gesendet und empfangen werden.
Verknüpfte Geräte erhalten keinen Zugriff mehr auf diesen Chat.
Dazu gehören beispielsweise:
- WhatsApp Web
- WhatsApp Desktop
- zusätzliche Smartphones oder Tablets
- andere über die Geräteverknüpfung angebundene Clients
WhatsApp zeigt nach dem Aktivieren außerdem eine Systemmeldung im Gespräch an, damit alle Teilnehmer sehen, dass der Chat eingeschränkt wurde.
Warum die Beschränkung auf das Hauptgerät interessant ist
Genau dieser Punkt macht die Funktion aus meiner Sicht interessant.
Verknüpfte Geräte sind praktisch, erweitern aber gleichzeitig die Zahl der Stellen, an denen eine Unterhaltung verfügbar ist.
Wer beispielsweise einen wirklich sensiblen Chat führt, möchte unter Umständen gar nicht, dass dieser automatisch auch auf einem PC oder einem weiteren Gerät auftaucht.
Mit Restricted Chat lässt sich das für einzelne Gespräche gezielt verhindern.
Laut den vorliegenden Informationen soll das außerdem verhindern, dass externe Werkzeuge, inoffizielle Clients oder über die Geräteverknüpfung arbeitende KI-Dienste auf diese Unterhaltung zugreifen können.
Meta AI bleibt draußen
Auch die Deaktivierung von Meta AI innerhalb eingeschränkter Chats ist bemerkenswert.
Wer einen Chat als Restricted Chat markiert, schließt damit also nicht nur weitere Geräte aus, sondern auch bestimmte KI-Funktionen innerhalb der Unterhaltung.
Das passt durchaus zum Konzept: Wenn ich einen Chat ausdrücklich stärker abschirme, möchte ich vermutlich auch nicht, dass zusätzliche Dienste darin aktiv sind.
Chat-Export ebenfalls gesperrt
Ein weiterer Schutzmechanismus betrifft den Export.
Normalerweise lässt sich eine WhatsApp-Unterhaltung exportieren und beispielsweise als Datei weitergeben.
Bei einem Restricted Chat soll das nicht mehr möglich sein.
Natürlich kann keine solche Funktion sämtliche Formen der Weitergabe verhindern – ein Screenshot ist beispielsweise ein anderes Thema. Aber WhatsApp nimmt zumindest einige der bequemsten Wege aus dem System.
Medien landen nicht automatisch in der Galerie
Fotos und Videos aus eingeschränkten Chats werden außerdem nicht automatisch in die Galerie des Geräts übernommen.
Auch das ist sinnvoll.
Gerade sensible Bilder sollen schließlich nicht plötzlich zwischen Urlaubsfotos und Screenshots in der normalen Fotogalerie auftauchen.
Noch nicht für Gruppenchats
Aktuell gibt es eine wichtige Einschränkung:
Restricted Chat funktioniert momentan nur bei Einzelchats.
Gruppen werden bislang nicht unterstützt.
Ob WhatsApp das später erweitert, geht aus den aktuellen Informationen noch nicht hervor.
Noch Beta – und nicht für jeden sichtbar
Die Funktion wird derzeit an ausgewählte Nutzer der Android-Beta verteilt.
Voraussetzung ist unter anderem:
WhatsApp Beta für Android 2.26.39.11
Aber auch mit dieser Version erscheint Restricted Chat nicht zwangsläufig sofort.
WhatsApp verteilt solche Funktionen wie üblich schrittweise.
Wenn bei euch weiterhin „Advanced Chat Privacy“ angezeigt wird, ist die neue Variante für euren Account schlicht noch nicht freigeschaltet.
Einen Termin für die stabile Version hat WhatsApp bislang nicht genannt.
Mein Eindruck
Ich finde die neue Ausrichtung sinnvoll.
Vor allem die Beschränkung auf das Hauptgerät macht aus der Funktion mehr als nur ein paar zusätzliche Datenschutz-Schalter.
Damit kann man einzelne Unterhaltungen wirklich bewusst von der restlichen WhatsApp-Geräteumgebung abtrennen.
Und genau das ist für sensible Gespräche wahrscheinlich nützlicher als irgendein weiterer kosmetischer Datenschutz-Schalter.
Fazit
WhatsApp macht aus Advanced Chat Privacy künftig Restricted Chat und erweitert die Funktion gleichzeitig deutlich.
Eingeschränkte Unterhaltungen können aktuell:
- nicht exportiert werden
- keine Meta-AI-Funktionen verwenden
- Medien nicht automatisch in der Galerie speichern
- ausschließlich auf dem Hauptgerät genutzt werden
Die Funktion befindet sich derzeit noch in der Android-Beta und wird schrittweise verteilt.
Wenn WhatsApp das später für alle Nutzer und vielleicht auch für Gruppen freischaltet, könnte daraus eine ziemlich sinnvolle Zusatzfunktion für besonders private oder sensible Chats werden.