OpenVDDK: Neues Open-Source-Projekt könnte den Abschied von VMware erleichtern

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Wer seine virtuelle Infrastruktur von VMware auf eine andere Plattform umziehen möchte, steht seit einiger Zeit vor zusätzlichen Herausforderungen. Neben technischen Fragen und den veränderten Lizenzbedingungen unter Broadcom spielt inzwischen auch der Zugang zu wichtigen Entwicklerwerkzeugen eine Rolle.

Genau hier setzt ein interessantes neues Open-Source-Projekt an: OpenVDDK.

Die Software soll eine zentrale VMware-Bibliothek ersetzen, die zahlreiche Backup- und Migrationsprogramme benötigen, um virtuelle Festplatten auszulesen. Das klingt zunächst nach einer kleinen technischen Änderung. Für Unternehmen, die über einen Wechsel zu Proxmox, KVM oder anderen Virtualisierungslösungen nachdenken, könnte sie allerdings ziemlich wichtig werden.

Warum der VMware-Ausstieg komplizierter geworden ist

Seit der Übernahme von VMware durch Broadcom hat sich für viele Unternehmen einiges verändert.

Neue Lizenzmodelle, veränderte Produktangebote und steigende Kosten haben dazu geführt, dass sich immer mehr IT-Verantwortliche nach Alternativen umsehen.

Ein Wechsel der Virtualisierungsplattform ist allerdings nicht damit erledigt, einfach einen neuen Hypervisor zu installieren.

Virtuelle Maschinen müssen übertragen, Festplattenformate konvertiert und bestehende Systeme möglichst ohne größere Unterbrechungen auf der neuen Plattform gestartet werden.

Dafür kommen spezielle Migrationswerkzeuge zum Einsatz.

Viele dieser Programme benötigen eine VMware-Komponente namens Virtual Disk Development Kit, kurz VDDK.

Die darin enthaltene Bibliothek ermöglicht es, virtuelle Festplatten von VMware-Systemen auszulesen.

Im August 2026 schränkte VMware den öffentlichen Download des VDDK erheblich ein. Seitdem ist der Zugang im Wesentlichen auf ausgewählte Partner beschränkt.

Damit entstand eine ziemlich unangenehme Situation: Unternehmen konnten zwar weiterhin ihre eigenen virtuellen Maschinen betreiben, hatten aber möglicherweise Schwierigkeiten, die für einen geplanten Umzug benötigte Bibliothek zu beschaffen.

Und genau dieses Problem möchte OpenVDDK lösen.

Was ist OpenVDDK eigentlich?

OpenVDDK ist keine vollständige Migrationssoftware.

Das Projekt ersetzt vielmehr eine bestimmte technische Komponente, auf die verschiedene bestehende Werkzeuge angewiesen sind.

Entwickelt wurde es vom Cloud-Architekten Andrija Panić.

Sein Ansatz ist vergleichsweise einfach: Statt ein komplett neues Migrationsprogramm zu entwickeln, hat er die VMware-Bibliothek libvixDiskLib unabhängig neu implementiert.

Dabei verwendet OpenVDDK dieselben Schnittstellen und Funktionsaufrufe, die entsprechende Programme von der originalen VMware-Bibliothek erwarten.

Das Ganze nennt sich ein Drop-in-Replacement.

Vereinfacht bedeutet das: Eine Anwendung kann die Ersatzbibliothek laden, ohne dass ihre eigentliche Programmierung verändert werden muss.

Das ist besonders interessant für bestehende Migrationslösungen wie virt-v2v, nbdkit oder entsprechende Werkzeuge aus dem Umfeld von Apache CloudStack und Proxmox.

Nach Angaben des Entwicklers wurde OpenVDDK vollständig neu geschrieben. Verwendet wurden öffentliche Dokumentationen und Tests des beobachtbaren Verhaltens der ursprünglichen VMware-Bibliothek.

VMware-Quellcode soll dabei nicht übernommen worden sein.

Der Quellcode ist inzwischen öffentlich verfügbar und steht unter der freien Apache-2.0-Lizenz.

Warum OpenVDDK mehr als nur ein weiteres Migrationstool ist

Für mich liegt der interessanteste Punkt nicht unbedingt in der Software selbst, sondern in ihrer möglichen Bedeutung für das gesamte Virtualisierungsumfeld.

Viele Unternehmen versuchen derzeit, ihre Abhängigkeit von VMware zu reduzieren.

Das Problem dabei: Selbst wenn die neue Plattform vollständig auf Open Source basiert, kann der eigentliche Umzug weiterhin von proprietärer VMware-Software abhängig sein.

Genau diese Abhängigkeit versucht OpenVDDK zu beseitigen.

Die eigentliche Migration übernimmt weiterhin ein anderes Programm. OpenVDDK stellt lediglich den Zugriff auf die virtuellen VMware-Festplatten bereit.

Dadurch könnten verschiedene Migrationslösungen dieselbe freie Bibliothek verwenden, anstatt jeweils eine eigene technische Alternative entwickeln zu müssen.

Das spart möglicherweise Entwicklungsaufwand und vereinfacht zukünftige Integrationen.

Vor allem aber macht es Unternehmen unabhängiger von der Verfügbarkeit einer einzelnen proprietären Softwarekomponente.

Welche Funktionen unterstützt OpenVDDK?

Die derzeit aktuelle Version 0.7.4 wurde Ende Oktober 2026 veröffentlicht.

OpenVDDK unterstützt mehrere Verfahren, um virtuelle Festplatten aus einer VMware-Umgebung auszulesen.

Dazu gehören drei wichtige Transportmöglichkeiten:

  • HotAdd: Eine virtuelle Festplatte wird vorübergehend an eine spezielle Proxy-VM angebunden und darüber gelesen.

  • NBDSSL: Die Festplatte wird über eine verschlüsselte Netzwerkverbindung vom ESXi-Host ausgelesen.

  • NBD: Ein direkter Netzwerkzugriff ohne die zusätzliche Transportverschlüsselung von NBDSSL.

Gerade NBDSSL dürfte für viele Migrationsszenarien interessant sein, da der Migrationsrechner nicht unbedingt innerhalb derselben VMware-Umgebung laufen muss.

Außerdem unterstützt OpenVDDK sogenannte Snapshots und Changed Block Tracking (CBT).

Damit lassen sich nicht nur komplette virtuelle Festplatten übertragen, sondern auch Änderungen ermitteln, die seit einer vorherigen Kopie entstanden sind.

Das ist insbesondere bei größeren Migrationen hilfreich.

Virtuelle Maschinen mit weniger Ausfallzeit umziehen

Bei einer klassischen Migration wird die virtuelle Maschine heruntergefahren, vollständig kopiert und anschließend auf der neuen Plattform gestartet.

Je nach Größe der Festplatten kann das ziemlich lange dauern.

Mit Changed Block Tracking lässt sich der Ablauf deutlich verbessern.

Zunächst wird eine vollständige Kopie erstellt, während die ursprüngliche virtuelle Maschine noch läuft.

Anschließend werden nur die Datenblöcke übertragen, die sich zwischenzeitlich verändert haben.

Dieser Vorgang kann mehrfach wiederholt werden.

Erst für den endgültigen Wechsel wird die ursprüngliche VM gestoppt. Danach folgt eine letzte Synchronisierung, bevor sie auf der neuen Plattform wieder startet.

Man spricht dabei von einer Warm Migration.

Die eigentliche Unterbrechung kann dadurch wesentlich kürzer ausfallen.

Eine echte Live-Migration ohne Betriebsunterbrechung ist das allerdings nicht. Für den endgültigen Wechsel bleibt normalerweise ein kurzer Stillstand erforderlich.

OpenVDDK soll teilweise deutlich schneller sein als VMware VDDK

Besonders interessant sind die vom Projekt veröffentlichten Leistungsmessungen.

In verschiedenen Tests konnte OpenVDDK virtuelle Festplatten teilweise deutlich schneller auslesen als die originale VMware-Bibliothek.

Bei einem Test wurde beispielsweise eine Windows-Server-2019-VM mit einer virtuellen Festplatte von 200 GiB auf ein KVM-kompatibles qcow2-Format übertragen.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert:

MesswertVMware VDDKOpenVDDK
Gesamtdauer der Migration15 Min. 2 Sek.7 Min. 24 Sek.
Reine Kopierphase727 Sek.381 Sek.
Kopiergeschwindigkeit282 MiB/s537 MiB/s

In diesem Test benötigte OpenVDDK also ungefähr halb so viel Zeit für den gesamten Vorgang.

Der wichtigste Grund liegt offenbar in der Art, wie die Bibliothek Daten liest.

OpenVDDK nutzt unter anderem parallele Anfragen und Read-ahead. Dabei werden Daten bereits im Voraus geladen, bevor das eigentliche Migrationsprogramm sie benötigt.

So lassen sich Wartezeiten reduzieren und vorhandene Netzwerk- sowie Storage-Ressourcen besser auslasten.

Allerdings sollte man diese Zahlen nicht überbewerten.

Die Messungen stammen überwiegend aus der Entwicklungsumgebung des Projekts und wurden bislang nicht durch eine umfassende unabhängige Benchmark-Studie bestätigt.

Außerdem gibt es Szenarien, in denen die VMware-Bibliothek schneller arbeitet.

Beispielsweise kann OpenVDDK bei verschlüsselten Netzwerkverbindungen ohne verfügbare AES-Hardwarebeschleunigung Nachteile haben.

Eine grundsätzlich doppelt so schnelle Migration darf man deshalb nicht erwarten.

Trotzdem zeigen die Ergebnisse, dass der freie Ersatz technisch durchaus konkurrenzfähig sein kann.

Mit welchen Plattformen funktioniert OpenVDDK?

Laut Projektdokumentation wurde OpenVDDK bereits mit verschiedenen VMware-Versionen getestet.

Dazu gehören vSphere 6.7 U3, 7.0.3, 8.0.3 und 9.1.1.

Auch mehrere Migrationswerkzeuge wurden erfolgreich ausprobiert.

Unter anderem nennt das Projekt Integrationen mit virt-v2v, nbdkit, Apache CloudStack, Forklift, Red Hat Migration Toolkit for Virtualization und verschiedenen Proxmox-Migrationslösungen.

Die Unterstützung ist allerdings nicht bei jeder Kombination aus VMware-Version, Transportverfahren und Migrationstool identisch.

Aktuell läuft die Bibliothek auf Linux-Systemen mit x86-64-Architektur und glibc 2.28 oder neuer.

Eine native Windows-Version gibt es derzeit nicht.

Außerdem fehlen noch einige Funktionen der ursprünglichen VMware-Bibliothek.

Der SAN-Transport wird beispielsweise nicht unterstützt.

Eine weitere wichtige Einschränkung: OpenVDDK kann virtuelle Festplatten ausschließlich lesen, nicht beschreiben.

Für die Übertragung von VMware-Systemen auf andere Plattformen reicht das häufig aus.

Wer dagegen eine vollständige Backup- und Restore-Lösung benötigt, muss prüfen, ob zusätzliche Komponenten erforderlich sind.

Wie ausgereift ist die neue Open-Source-Lösung?

Hier würde ich noch etwas vorsichtig sein.

OpenVDDK ist ein junges Projekt. Die bisherige Dokumentation wirkt umfangreich und beschreibt auch verschiedene Fehlerfälle, Kompatibilitätsgrenzen und Leistungstests.

Das ist zunächst ein gutes Zeichen.

Es gibt bereits Berichte über erfolgreiche Tests mit unterschiedlichen Migrationswerkzeugen. Auch erste produktive Einsätze wurden dem Entwickler gemeldet.

Dabei soll unter anderem ein deutscher Cloud-Anbieter einen größeren Dateiserver mithilfe von V2K Migrate und OpenVDDK umgezogen haben.

Allerdings handelt es sich bei diesen Informationen bislang überwiegend um Angaben des Projekts und Rückmeldungen einzelner Anwender.

Eine umfassende unabhängige Sicherheitsprüfung oder eine offizielle Zertifizierung durch die jeweiligen Plattformhersteller ist damit nicht verbunden.

Hinzu kommt, dass die Entwicklergemeinschaft noch relativ klein ist.

Bei einer Bibliothek, die auf wichtige Unternehmensdaten zugreift, spielt das langfristig durchaus eine Rolle.

Schließlich müssen auch in Zukunft Sicherheitslücken behoben, VMware-Protokolländerungen berücksichtigt und neue Plattformversionen unterstützt werden.

Der öffentlich verfügbare Quellcode ist eine gute Grundlage. Langfristige Wartung und verlässlicher Support entstehen dadurch aber nicht automatisch.

Würde ich OpenVDDK bereits produktiv einsetzen?

Für einen ersten Test auf jeden Fall.

Gerade wenn eine Migration von VMware zu Proxmox, KVM, Apache CloudStack oder OpenShift Virtualization geplant ist, würde ich OpenVDDK zumindest in die Bewertung aufnehmen.

Eine direkte Umstellung wichtiger Produktivsysteme ohne vorherige Tests halte ich dagegen für keine gute Idee.

Besonders bei großen virtuellen Maschinen und komplexen Storage-Umgebungen sollte geprüft werden, ob die übertragenen Daten vollständig und konsistent sind.

Ein erfolgreich gestartetes Betriebssystem bedeutet schließlich nicht automatisch, dass sämtliche Daten korrekt übernommen wurden.

Ich würde deshalb zunächst einige unkritische Testmaschinen migrieren, die Ergebnisse vergleichen und anschließend auch Fehlerfälle ausprobieren.

Dazu gehören beispielsweise unterbrochene Netzwerkverbindungen, problematische Snapshots oder abgebrochene Migrationen.

Erst wenn diese Tests zuverlässig funktionieren, würde ich über den Einsatz für wichtige Produktionssysteme nachdenken.

Warum OpenVDDK für Unternehmen wirtschaftlich interessant ist

Neben den technischen Möglichkeiten besitzt das Projekt auch einen wirtschaftlichen Aspekt.

OpenVDDK selbst ist kostenlos und darf dank der Apache-2.0-Lizenz auch in kommerziellen Projekten eingesetzt werden.

Unternehmen und Softwarehersteller können die Bibliothek damit grundsätzlich in eigene Lösungen integrieren.

Das könnte für Cloud-Anbieter, Systemhäuser und Entwickler von Virtualisierungssoftware interessant werden.

Wer beispielsweise regelmäßig VMware-Systeme zu KVM oder Proxmox migriert, könnte seine bestehenden Werkzeuge unabhängiger von proprietären VMware-Bibliotheken betreiben.

Möglicherweise lassen sich dadurch auch Migrationskosten reduzieren.

Der größere Vorteil liegt meiner Meinung nach allerdings nicht unbedingt in eingesparten Minuten oder Stunden.

Viel wichtiger ist die zusätzliche Flexibilität.

Wenn Unternehmen ihre eigenen virtuellen Maschinen einfacher auf andere Plattformen übertragen können, verbessert das auch ihre Verhandlungsposition gegenüber dem bisherigen Anbieter.

Und genau diese Wahlfreiheit ist in der IT-Infrastruktur oft mehr wert als ein einzelner Geschwindigkeitsvorteil.

Fazit: OpenVDDK könnte eine wichtige Lücke schließen

OpenVDDK gehört für mich zu den interessanteren neuen Open-Source-Projekten im Bereich Virtualisierung.

Nicht weil es besonders viele Funktionen besitzt oder sämtliche VMware-Probleme auf einmal löst.

Sondern weil es eine vergleichsweise kleine, aber strategisch wichtige Abhängigkeit angeht.

Die Möglichkeit, virtuelle VMware-Festplatten ohne die bisher benötigte proprietäre Bibliothek auszulesen, könnte bestehende Migrationswerkzeuge langfristig deutlich unabhängiger machen.

Die bisherigen Tests sind vielversprechend. Vor allem die Kompatibilität zu vorhandenen Werkzeugen und die teilweise hohen Datenübertragungsraten sprechen für den Ansatz.

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass OpenVDDK noch jung ist.

Für größere Unternehmen bleiben Fragen zur langfristigen Wartung, unabhängigen Sicherheitsprüfung und Zuverlässigkeit in komplexen Produktionsumgebungen offen.

Mein Fazit: Wer derzeit einen VMware-Ausstieg plant, sollte sich OpenVDDK unbedingt ansehen und in einer Testumgebung ausprobieren.

Für einen sofortigen, ungeprüften Einsatz in kritischen Infrastrukturen wäre mir das Projekt noch zu jung.

Wenn sich allerdings weitere Entwickler und Unternehmen dauerhaft beteiligen, könnte daraus eine ziemlich wichtige Open-Source-Komponente werden.

Und vielleicht ist genau das die spannendste Entwicklung: Nicht ein einzelnes neues Migrationstool, sondern eine freie technische Grundlage, von der künftig viele unterschiedliche Lösungen profitieren können.

Quellen

OpenVDDK – Offizielle Projektwebsite, technische Dokumentation und Benchmarks

https://openvddk.com/

GitHub – OpenVDDK: Quellcode und technische Dokumentation

https://github.com/openvddk/openvddk

GitHub – OpenVDDK 0.7.4 und weitere Veröffentlichungen

https://github.com/openvddk/openvddk/releases

The Register – Architect creates open-source replacement for VM migration tool VMware has hidden (3. November 2026)

https://www.theregister.com/2026/11/03/

V2K Migrate – Migrationssoftware für VMware-Umgebungen

https://v2kmigrate.com/