Linux 7.4-rc1 ist da: Fast 20.000 Änderungen und immer mehr KI im Kernel

Der Linux-Kernel wächst weiter – und diesmal in einem bemerkenswerten Tempo. Linus Torvalds hat am 1. November 2026 den ersten Release Candidate von Linux 7.4 veröffentlicht. Mit fast 20.000 Commits fällt das Update ungewöhnlich umfangreich aus. Einen wesentlichen Grund dafür sieht Torvalds im zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Fehlersuche und Entwicklung.
Neben zahlreichen Korrekturen bringt Linux 7.4 auch Verbesserungen für Hardware, Treiber und Dateisysteme mit. Die fertige Version wird voraussichtlich noch vor Ende des Jahres erscheinen.
Linux 7.4 startet mit einem ungewöhnlich großen Update
Mit Linux 7.4-rc1 ist die erste Testversion des kommenden Kernels verfügbar. Gleichzeitig endet damit das sogenannte Merge-Fenster.
In dieser rund zweiwöchigen Entwicklungsphase werden größere Neuerungen, Treiberaktualisierungen und Änderungen aus den verschiedenen Entwicklerbereichen zusammengeführt.
Normalerweise kommen dabei etwa 15.000 Commits zusammen. Bei Linux 7.4 sind es diesmal fast 20.000.
Genauer gesagt wurden seit Linux 7.3 insgesamt 19.671 Commits in den Entwicklungszweig aufgenommen. Das ist für ein einzelnes Merge-Fenster ein außergewöhnlich hoher Wert und stellt einen neuen Rekord dar.
Ein Commit beschreibt dabei eine gespeicherte Änderung am Quellcode. Das kann eine kleine Fehlerkorrektur sein, aber auch eine umfangreiche Überarbeitung mehrerer Dateien.
Die hohe Zahl bedeutet also nicht automatisch, dass Linux 7.4 entsprechend mehr neue Funktionen besitzt. Sie zeigt zunächst einmal, wie viel Entwicklungsarbeit in die kommende Version geflossen ist.
Künstliche Intelligenz spielt eine immer größere Rolle
Besonders interessant ist die Einschätzung von Linus Torvalds zum Einsatz künstlicher Intelligenz.
Nach seiner Beobachtung werden inzwischen immer mehr Fehler im Linux-Kernel mithilfe von KI-Werkzeugen entdeckt. Teilweise liefern diese Systeme sogar direkt Vorschläge, wie sich die gefundenen Probleme beheben lassen.
Das dürfte einer der Gründe für die ungewöhnlich große Anzahl an Änderungen sein.
Torvalds bewertet diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Allerdings geht es ihm weniger darum, möglichst viel KI-generierten Code in Linux unterzubringen.
Entscheidend ist für ihn, wann solche Änderungen eingereicht werden.
In der Vergangenheit tauchten zahlreiche durch KI angestoßene Korrekturen erst während der späteren Testphase auf. Das ist nicht unbedingt ideal, denn eigentlich soll der Kernel zu diesem Zeitpunkt bereits stabilisiert werden.
Bei Linux 7.4 scheint ein größerer Teil dieser Arbeit bereits während des regulären Merge-Fensters erledigt worden zu sein.
Das könnte den weiteren Entwicklungsprozess vereinfachen.
Schreibt KI jetzt den Linux-Kernel?
Ganz so weit ist es natürlich nicht.
Dass KI bei der Entwicklung eine größere Rolle spielt, bedeutet nicht, dass der Kernel inzwischen automatisch von Sprachmodellen programmiert wird.
Viele der durch künstliche Intelligenz vorgeschlagenen Änderungen werden weiterhin von menschlichen Entwicklern überprüft und überarbeitet.
Das ist auch notwendig. Der Linux-Kernel gehört zu den wichtigsten Softwareprojekten überhaupt. Fehler können sich hier unmittelbar auf Sicherheit, Stabilität und die Unterstützung unterschiedlichster Hardware auswirken.
Gerade deshalb finde ich diese Entwicklung spannend.
KI kann bei der Suche nach Fehlern und ungewöhnlichen Codeproblemen durchaus hilfreich sein. Sie ersetzt aber weder das technische Verständnis der Entwickler noch eine sorgfältige Qualitätskontrolle.
Ob sich der frühere Einsatz von KI-Werkzeugen tatsächlich positiv auf die Stabilität auswirkt, müssen die kommenden Testversionen erst noch zeigen.
AMD sorgt für einen großen Teil des zusätzlichen Codes
Nicht allein die KI ist für den enormen Umfang von Linux 7.4 verantwortlich.
Auch AMD hat mit umfangreichen Änderungen an seinen Grafiktreibern einen erheblichen Beitrag geleistet.
Laut Torvalds besteht ungefähr ein Drittel des gesamten Patches aus Registerdefinitionen und Bitmasken für AMD-Grafikhardware.
Dabei handelt es sich um technische Beschreibungen, die der Treiber benötigt, um bestimmte Funktionen der Hardware korrekt anzusprechen.
Solche Dateien können sehr umfangreich sein, ohne dass dahinter zwangsläufig ebenso viele neue Funktionen stecken.
Die reine Menge an verändertem Quellcode sollte deshalb nicht überbewertet werden.
Abseits dieser großen AMD-Dateien verteilt sich die Entwicklungsarbeit auf die üblichen Bereiche des Linux-Kernels.
Welche Neuerungen bringt Linux 7.4?
Neben den zahlreichen Fehlerkorrekturen enthält Linux 7.4 auch konkrete technische Verbesserungen.
Dazu gehören unter anderem:
AMD-Unterstützung: Vorbereitungen für kommende Ryzen-Prozessoren mit Zen-6-Architektur und weitere Verbesserungen am AMDGPU-Treiber.
Grafikausgabe: HDMI 2.1 wird im AMDGPU-Treiber standardmäßig aktiviert.
Apple-Hardware: Erste Unterstützung für Apple-M4-Prozessoren, wobei noch nicht sämtliche Funktionen für den täglichen Einsatz bereitstehen.
ARM-Geräte: Weitere Arbeiten an der Unterstützung moderner Plattformen wie Qualcomms Snapdragon X2 und Googles Tensor G5.
Dateisysteme: Änderungen unter anderem an EXT4 sowie an weiteren Speicher- und Dateisystemkomponenten.
Kernel-Werkzeuge: Aktualisierungen für Performance-Analyse, Selbsttests und Entwicklungswerkzeuge.
Auch der Netzwerkbereich, die Speicherverwaltung und die Unterstützung von Rust im Kernel wurden weiterentwickelt.
Für normale Desktop-Nutzer dürften viele dieser Änderungen zunächst unsichtbar bleiben.
Sie können langfristig aber dafür sorgen, dass Linux auf neuer Hardware besser funktioniert, bestimmte Aufgaben effizienter ausführt oder weniger Probleme verursacht.
Linux 7.4 könnte die nächste LTS-Version werden
Ein weiterer möglicher Grund für das große Merge-Fenster ist die Erwartung, dass Linux 7.4 die nächste LTS-Version werden könnte.
LTS steht für „Long Term Support“. Solche Kernel-Versionen werden über einen längeren Zeitraum mit wichtigen Fehlerkorrekturen und Sicherheitsupdates versorgt.
Sie sind deshalb besonders für Server, Unternehmenssysteme und Linux-Distributionen interessant, bei denen Stabilität wichtiger ist als ständig neue Funktionen.
Wenn Entwickler davon ausgehen, dass eine Kernel-Version langfristig gepflegt wird, versuchen sie möglicherweise, wichtige Änderungen noch rechtzeitig in diese Version einzubringen.
Offiziell bestätigt ist der LTS-Status für Linux 7.4 bislang allerdings nicht.
Torvalds nennt die entsprechende Erwartung lediglich als weitere mögliche Erklärung für die ungewöhnlich hohe Zahl an Änderungen.
Wann erscheint die fertige Version von Linux 7.4?
Mit der Veröffentlichung von Linux 7.4-rc1 beginnt jetzt die eigentliche Stabilisierungsphase.
Üblicherweise erscheinen in den kommenden Wochen weitere Release Candidates, die bekannte Fehler beheben und den Kernel auf die endgültige Veröffentlichung vorbereiten.
Wenn alles nach Plan läuft, dürfte Linux 7.4 nach sieben oder acht Testversionen im Dezember 2026 erscheinen.
Ein genauer Veröffentlichungstermin steht allerdings noch nicht fest.
Torvalds hat außerdem erwähnt, dass noch zwei Änderungsanfragen offen sind, über deren Aufnahme er nachdenkt. Ob diese noch in den nächsten Release Candidate einfließen, ist derzeit unklar.
Die Veröffentlichung von RC1 wollte er deswegen jedenfalls nicht verschieben.
Sollten normale Linux-Nutzer schon auf 7.4-rc1 wechseln?
Für den produktiven Alltag würde ich das derzeit nicht empfehlen.
Linux 7.4-rc1 ist eine Entwicklerversion und richtet sich in erster Linie an Kernel-Entwickler, Tester und erfahrene Nutzer, die neue Funktionen frühzeitig ausprobieren möchten.
Wer Ubuntu, Fedora, Arch Linux oder eine andere Distribution auf seinem Hauptrechner verwendet, sollte normalerweise bei den regulär bereitgestellten Kernel-Paketen bleiben.
Dort werden neue Kernel-Versionen entsprechend der jeweiligen Update-Strategie integriert und getestet.
Für den täglichen Einsatz steht derzeit mit Linux 7.3.1 bereits eine aktuelle stabile Kernel-Version bereit.
Wer Linux 7.4 unbedingt ausprobieren möchte, sollte dafür besser einen separaten Testrechner verwenden und auf ein funktionierendes Backup achten.
Fazit: Linux 7.4 zeigt, wie sich die Kernel-Entwicklung verändert
Mit fast 20.000 Commits gehört Linux 7.4 schon jetzt zu den umfangreichsten Kernel-Entwicklungszyklen der vergangenen Jahre.
Neben technischen Verbesserungen für AMD, ARM-Plattformen und verschiedene Kernel-Komponenten ist vor allem der zunehmende Einfluss künstlicher Intelligenz interessant.
Dabei ist weniger entscheidend, wie viel Code durch KI entstanden ist. Spannender finde ich die Frage, ob KI-gestützte Fehlersuche langfristig dazu beitragen kann, Probleme früher zu erkennen und die Entwicklung zuverlässiger zu machen.
Genau darin könnte der eigentliche Fortschritt liegen.
Mein Fazit: Linux 7.4 wird nicht allein durch seine Größe interessant, sondern vor allem durch die Art, wie die Änderungen entstehen und in den Entwicklungsprozess eingebunden werden.
Ob die neue Version tatsächlich stabiler wird und den erwarteten LTS-Status erhält, bleibt abzuwarten.
Bis dahin stehen noch einige Wochen voller Tests, Korrekturen und wahrscheinlich auch weiterer KI-gestützter Fehlersuche bevor.
Quellen
Neowin – Linux 7.4-rc1 rolling out with a massive merge window driven heavily by AI (2. November 2026)
Linus Torvalds – Offizielle Ankündigung von Linux 7.4-rc1 (1. November 2026)
https://lkml.iu.edu/hypermail/linux/kernel/2611.0/00796.html
Phoronix – Linux 7.4 Merge Window Saw Nearly 20k Commits
https://www.phoronix.com/news/Linux-7.4-Merge-Window
Phoronix – Linux 7.4-rc1 Released With Many Performance Improvements
https://www.phoronix.com/news/Linux-7.4-rc1
Linux Kernel Archives – Offizielle Kernel-Versionen und Veröffentlichungen


