Fieldwatch: Open-Source-Scanner für WLAN und Bluetooth LE

Wer einmal wissen möchte, was in der unmittelbaren Umgebung alles per Funk unterwegs ist, bekommt mit Fieldwatch ein ziemlich interessantes Werkzeug für Android.
Die Open-Source-App beobachtet WLAN-Access-Points und Bluetooth-Low-Energy-Signale in der Umgebung und wertet diese direkt auf dem Smartphone aus.
Das Besondere daran:
Fieldwatch arbeitet laut Projektbeschreibung vollständig lokal, benötigt kein Benutzerkonto und kommt ohne zusätzlichen Server im Hintergrund aus.
Für mich ist das genau die Art von Werkzeug, die technisch neugierig macht, ohne gleich eine komplette Funkanalyse-Ausrüstung aufbauen zu müssen.
WLAN und Bluetooth LE direkt mit dem Smartphone beobachten
Fieldwatch nutzt die im Android-Gerät vorhandene Hardware.
Ein externer WLAN- oder Bluetooth-Dongle ist nicht erforderlich.
Die App kann dabei zwei wichtige Funkbereiche beobachten:
WLAN-Access-Points
Bluetooth-LE-Advertisements
Gerade der zweite Punkt ist interessant.
Viele moderne Geräte senden regelmäßig kleine BLE-Pakete aus, damit andere Geräte sie entdecken oder bestimmte Dienste erkennen können.
Das reicht von Zubehör und Sensoren bis hin zu allerlei Smart-Home-Technik.
Fieldwatch arbeitet passiv
Fieldwatch ist kein Werkzeug, das aktiv versucht, sich mit den gefundenen Geräten zu verbinden.
Die App lauscht laut Beschreibung lediglich auf die ohnehin ausgesendeten Signale.
Das macht den Ansatz angenehm übersichtlich.
Man sieht, was in Reichweite sendet, ohne selbst groß in die Kommunikation einzugreifen.
Gerade für eine erste Bestandsaufnahme der Funkumgebung reicht das oft schon völlig aus.
Komplett offline nutzbar
Einer der Punkte, die mir an Fieldwatch besonders gefallen, ist der Offline-Ansatz.
Die App benötigt:
kein Benutzerkonto
keinen Cloud-Dienst
keinen externen Server
Die erfassten Daten bleiben laut Projektbeschreibung lokal auf dem Smartphone.
Das passt ziemlich gut zu einem Werkzeug, das sich mit Funkquellen in der unmittelbaren Umgebung beschäftigt.
Ich brauche bei so etwas nicht unbedingt noch einen weiteren Online-Dienst, der zuerst wissen möchte, welche Geräte ich gerade untersuche.
Filter helfen gegen das Signal-Chaos
Wer einen solchen Scanner zum ersten Mal in einer belebten Umgebung startet, dürfte relativ schnell feststellen:
Da draußen funkt ziemlich viel.
WLAN-Router, Smartphones, Kopfhörer, Smartwatches, Sensoren und andere Geräte können schnell eine lange Liste erzeugen.
Fieldwatch bringt deshalb Filtermöglichkeiten mit.
Damit lässt sich die Anzeige auf die gerade interessanten Signale reduzieren.
Das dürfte spätestens in einem Mehrfamilienhaus ziemlich wichtig werden.
Sonst sieht man am Ende zwar alles – findet aber nichts mehr.
Signatur-Bibliothek erkennt bekannte Funkquellen
Interessant ist auch die integrierte Signatur-Bibliothek.
Damit kann Fieldwatch bekannte Muster beziehungsweise Funkquellen erkennen.
Die Bibliothek ist erweiterbar.
Das macht die App gerade für Nutzer interessant, die regelmäßig bestimmte Gerätetypen oder Signale identifizieren möchten.
Statt jedes Signal jedes Mal komplett neu einzuordnen, kann Fieldwatch auf vorhandene Erkennungsmuster zurückgreifen.
Oberfläche lässt sich anpassen
Die App soll sich außerdem an unterschiedliche Einsatzzwecke anpassen lassen.
Die Oberfläche kann so konfiguriert werden, dass gerade die Informationen im Vordergrund stehen, die man wirklich benötigt.
Das ist bei einem Analysewerkzeug deutlich wichtiger als bei einer normalen Alltags-App.
Wer nur WLANs betrachten möchte, braucht schließlich eine andere Ansicht als jemand, der gezielt nach Bluetooth-LE-Sendern sucht.
Berichte und Protokolle lassen sich exportieren
Die gesammelten Informationen müssen nicht ausschließlich innerhalb der App bleiben.
Fieldwatch kann auch Berichte und Protokolle exportieren.
Das ist praktisch, wenn man:
Ergebnisse später vergleichen möchte
Messungen dokumentieren will
bestimmte Funkquellen über längere Zeit beobachtet
Daten auf einem anderen Gerät weiter auswerten möchte
Damit geht Fieldwatch deutlich über einen einfachen „Welche WLANs sind hier?“-Scanner hinaus.
Standortdaten bleiben ebenfalls lokal
Falls die Ortungsfunktion aktiviert ist, kann Fieldwatch auch Standortinformationen zu empfangenen Signalen speichern.
Dabei wird laut Beschreibung der Standort zum jeweiligen Empfangszeitpunkt auf dem Gerät hinterlegt.
Auch diese Daten sollen lokal bleiben.
Das kann beispielsweise interessant sein, wenn man unterwegs mehrere Messungen durchführt und später nachvollziehen möchte, wo ein bestimmtes Signal auftauchte.
Früher hieß die App Spectre
Fieldwatch ist nicht vollständig neu.
Das Projekt lief bis einschließlich Version 1.2.14 unter dem Namen Spectre.
Wegen einer Namensüberschneidung mit einer anderen Anwendung wurde es anschließend in Fieldwatch umbenannt.
Wer bei älteren Berichten oder Dateien noch über den Namen Spectre stolpert, hat es also möglicherweise mit demselben Projekt zu tun.
Ein Hobbyprojekt mit überraschend vielen Funktionen
Fieldwatch ist laut Beschreibung ursprünglich als privates Hobbyprojekt entstanden.
Dafür wirkt der Funktionsumfang durchaus umfangreich.
Neben der reinen Erkennung gibt es unter anderem:
Filter
Signaturen
anpassbare Ansichten
lokale Speicherung
Standortzuordnung
Exportfunktionen
Das ist deutlich mehr als nur eine hübschere Liste verfügbarer WLAN-Netze.
Wofür kann Fieldwatch interessant sein?
Ich sehe mehrere sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.
Zum Beispiel kann man damit einfach überprüfen, wie voll die eigene Funkumgebung ist.
Auch bei Smart-Home-Geräten kann es interessant sein zu sehen, welche BLE-Signale überhaupt ausgesendet werden.
Weitere mögliche Szenarien sind:
Fehlersuche im eigenen WLAN
Überblick über Access Points
Beobachtung von BLE-Geräten
Dokumentation von Funkumgebungen
technische Neugier
Gerade der letzte Punkt dürfte wahrscheinlich für viele schon reichen.
Manchmal möchte man einfach wissen, was das Smartphone um einen herum eigentlich alles empfängt.
Kein Spezial-Hardware-Koffer notwendig
Professionelle Funkanalyse kann schnell ziemlich aufwendig werden.
Zusätzliche Adapter, spezielle Chipsätze und weitere Hardware sind für tiefere Analysen durchaus sinnvoll oder notwendig.
Fieldwatch verfolgt aber einen anderen Ansatz.
Es nutzt das, was ohnehin im Android-Smartphone steckt.
Dadurch eignet sich die App eher als unkompliziertes Analysewerkzeug für unterwegs.
Smartphone aus der Tasche, App öffnen und schauen, was gerade funkt.
Open Source passt gut zum Einsatzzweck
Dass Fieldwatch quelloffen ist, finde ich bei einem solchen Tool besonders passend.
Eine Anwendung, die Funkinformationen und optional Standortdaten sammelt, sollte möglichst transparent damit umgehen.
Durch den öffentlich verfügbaren Quellcode kann zumindest grundsätzlich nachvollzogen werden, wie die Anwendung arbeitet.
Open Source bedeutet natürlich nicht automatisch, dass eine App perfekt oder fehlerfrei ist.
Aber gerade bei einem Analysewerkzeug schafft es zusätzliche Transparenz.
Es gibt sogar ein Handbuch
Wer tiefer einsteigen möchte, muss sich die Funktionen nicht ausschließlich selbst zusammensuchen.
Zum Projekt gehört auch ein eigenes Benutzerhandbuch.
Dort werden die Möglichkeiten der App ausführlicher beschrieben.
Das dürfte gerade deshalb hilfreich sein, weil Fieldwatch offenbar deutlich mehr Einstellungen bietet als ein normaler WLAN-Scanner.
Mein Eindruck
Fieldwatch finde ich vor allem deshalb interessant, weil die App einen guten Mittelweg trifft.
Sie ist deutlich mächtiger als die üblichen einfachen WLAN-Scanner, verlangt aber nicht sofort zusätzliche Hardware.
Dazu kommt der konsequent lokale Ansatz.
Keine Registrierung, kein Cloudkonto und kein externer Dienst sind bei einem solchen Werkzeug aus meiner Sicht klare Pluspunkte.
Natürlich muss man erst einmal lernen, was all die gefundenen Signale überhaupt bedeuten.
Aber genau darin liegt ja auch ein Teil des Spaßes.
Wer Fieldwatch in einem dicht besiedelten Gebiet startet, dürfte jedenfalls relativ schnell feststellen:
Die Luft ist digital deutlich voller, als sie aussieht.
Fazit
Fieldwatch ist eine kostenlose Open-Source-App für Android, mit der sich WLAN-Access-Points und Bluetooth-LE-Signale in der Umgebung beobachten lassen.
Die App arbeitet laut Projektbeschreibung passiv und vollständig lokal.
Zu den wichtigsten Funktionen gehören:
WLAN-Erkennung
Bluetooth-LE-Analyse
Filter
erweiterbare Signaturen
anpassbare Oberfläche
lokale Speicherung
optionale Standortzuordnung
Export von Berichten und Protokollen
Zusätzliche Hardware oder ein Benutzerkonto werden nicht benötigt.
Für professionelle Funkforensik ersetzt Fieldwatch sicherlich keine spezialisierte Ausrüstung.
Wer aber mit dem Android-Smartphone unkompliziert einen Blick auf die Funklandschaft um sich herum werfen möchte, bekommt hier ein ziemlich interessantes Werkzeug.
Quellen
stadt-bremerhaven.de:
Fieldwatch: Open-Source-Scanner für WLAN und Bluetooth LE unter Android
https://stadt-bremerhaven.de/fieldwatch-open-source-scanner-fuer-wlan-und-bluetooth-le-unter-android/
GitHub – Fieldwatch:
https://github.com/OffGridPete/Fieldwatch
Fieldwatch Benutzerhandbuch:
https://github.com/OffGridPete/Fieldwatch/raw/main/dist/Fieldwatch_User_Manual.pdf