Retro

Drucken unter Windows ME in 86Box: Vom LPT1-Port direkt zur PDF

KI-Generiertes Foto

Ein altes Windows in 86Box zu installieren ist die eine Sache. Spannend wird es für mich aber immer dann, wenn man nicht nur den Desktop anschaut, sondern versucht, den Rechner wieder wirklich zu benutzen.

Bei Windows ME wollte ich deshalb etwas ausprobieren, das früher ganz selbstverständlich war: drucken.

Natürlich hängt bei mir kein alter Parallelport-Drucker mehr am Schreibtisch. Das muss aber auch gar nicht sein. 86Box kann einen virtuellen PostScript-Drucker bereitstellen, der die Druckaufträge von Windows ME entgegennimmt und auf dem Windows-11-Host als PDF-Datei speichert.

Das klingt etwas umständlich, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich sauber.

Die Idee dahinter

Der Datenweg sieht am Ende so aus:

Windows ME → Apple-LaserWriter-Treiber → LPT1 → 86Box → PostScript → PDF → Windows 11

Windows ME denkt also, es würde ganz normal auf einen lokalen Drucker am parallelen Anschluss drucken.

86Box fängt diesen Druckauftrag ab und erzeugt daraus eine Datei auf dem Host-System.

Das ist für einen Retro-PC eigentlich eine ziemlich elegante Lösung.

Der virtuelle Drucker wird zuerst in 86Box eingerichtet

Bevor Windows ME etwas davon mitbekommt, muss der Drucker zunächst in 86Box konfiguriert werden.

Dafür wird Windows ME heruntergefahren und anschließend die Konfiguration des virtuellen Rechners geöffnet.

Unter:

Ports (COM & LPT)

wird der erste parallele Anschluss aktiviert.

Für Parallel Port 1 kommt anschließend als Gerät zum Einsatz:

Generic PostScript Printer

Weitere parallele Anschlüsse werden für diesen Aufbau nicht benötigt.

Die seriellen Ports spielen für den Drucker ebenfalls keine Rolle.

Danach können die Einstellungen gespeichert und Windows ME wieder gestartet werden.

Windows ME braucht einen passenden Druckertreiber

Unter Windows ME wird jetzt ein ganz normaler lokaler Drucker eingerichtet.

Dazu geht es über:

Start → Einstellungen → Drucker

Anschließend wird der Assistent über Neuer Drucker gestartet.

Als Druckertyp wähle ich:

Lokaler Drucker

Bei den vorhandenen Treibern funktioniert folgende Kombination:

EinstellungAuswahl
HerstellerApple
DruckermodellApple LaserWriter IIf
AnschlussLPT1:
StandarddruckerJa

Danach lässt sich die Installation ganz normal abschließen.

Windows ME weiß natürlich nichts davon, dass am anderen Ende überhaupt kein echter Apple-Drucker steht.

Und genau das ist hier gewollt.

Warum gerade ein Apple LaserWriter?

Entscheidend ist weniger das konkrete Druckermodell als die PostScript-Ausgabe.

Der Apple LaserWriter IIf liefert einen passenden PostScript-Druckertreiber, dessen Ausgabe 86Box anschließend weiterverarbeiten kann.

Wer Farbdruck benötigt, kann alternativ den:

Apple Color LW 12/660 PS

verwenden.

Damit bleibt die grundlegende Vorgehensweise gleich, die Ausgabe kann aber farbig erfolgen.

Jetzt kommt die Testseite

Nach der Installation sollte zuerst eine Testseite gedruckt werden.

Dazu wieder:

Start → Einstellungen → Drucker

Dann Rechtsklick auf den eingerichteten Drucker, Eigenschaften öffnen und:

Testseite drucken

auswählen.

Windows ME schickt den Auftrag nun an LPT1.

86Box übernimmt die PostScript-Daten und legt den Ausdruck im Druckerordner der virtuellen Maschine ab.

Wenn alles passt, sollte daraus anschließend eine PDF-Datei entstehen.

Wo landet die PDF?

Die erzeugten Druckdateien werden im printer-Unterordner des jeweiligen virtuellen Rechners gespeichert.

Typischerweise liegt der Ordner unter:

C:\Users\<Benutzername>\86Box VMs\<VM-Name>\printer\

Noch bequemer ist der direkte Weg über 86Box:

Tools → Open printer tray

Damit öffnet sich der entsprechende Ordner auf dem Windows-11-Host.

Die PDFs können anschließend ganz normal geöffnet, archiviert oder mit einem echten Drucker ausgedruckt werden.

Damit wird aus Windows ME wieder ein halbwegs praktischer Rechner

Genau das gefällt mir an dieser Lösung.

Man braucht keinen alten Drucker.

Man braucht keinen physischen Parallelport.

Und man muss auch nicht versuchen, einen modernen USB-Drucker irgendwie direkt unter Windows ME zum Laufen zu bekommen.

Windows ME druckt so, wie es damals üblich war.

86Box übersetzt das Ganze anschließend in etwas, mit dem Windows 11 problemlos umgehen kann.

Im Grunde baut man eine kleine Brücke zwischen zwei komplett unterschiedlichen Windows-Generationen.

Wenn nichts gedruckt wird

Falls beim Test keine Datei entsteht, würde ich zuerst die grundlegende Verbindung prüfen.

In 86Box muss LPT1 aktiviert sein.

Außerdem muss wirklich:

Generic PostScript Printer

als Gerät für diesen Anschluss ausgewählt sein.

Unter Windows ME sollte der Drucker wiederum auf:

LPT1:

zeigen.

Wenn hier einer der beiden Punkte nicht stimmt, kommt der Druckauftrag natürlich nicht dort an, wo er hin soll.

Wenn nur eine PS-Datei erzeugt wird

Es kann passieren, dass 86Box zwar den PostScript-Druckauftrag speichert, aber keine PDF-Datei daraus erzeugt.

Dann sollte geprüft werden, ob im 86Box-Programmverzeichnis die Datei:

gsdll64.dll

vorhanden ist.

Fehlt diese Komponente, kann die PostScript-Ausgabe unter Umständen nicht automatisch in PDF umgewandelt werden.

Dann bleibt lediglich die .ps-Datei übrig.

Schwarz-Weiß statt Farbe

Wenn der Ausdruck zwar funktioniert, aber nur schwarz-weiß erscheint, liegt das meist am verwendeten Druckertreiber.

Der Apple LaserWriter IIf ist für normalen PostScript-Druck gut geeignet.

Für Farbausgabe sollte stattdessen der:

Apple Color LW 12/660 PS

installiert werden.

Danach bleibt der Rest der Konfiguration unverändert.

Mein Eindruck

Ich mag solche kleinen Retro-Lösungen besonders, weil sie zeigen, wie flexibel 86Box tatsächlich ist.

Ein altes Windows einfach nur zu starten ist nett.

Spannender wird es, wenn man versucht, echte Arbeitsabläufe wiederherzustellen.

Drucken unter Windows ME klingt heute fast schon exotisch, dabei war es damals natürlich vollkommen normal.

Dass man den Druckauftrag heute über einen emulierten LPT-Port schicken und anschließend als PDF unter Windows 11 weiterverwenden kann, ist eigentlich die perfekte Mischung aus Retro und Komfort.

Und vor allem spart man sich die Suche nach einem 25 Jahre alten Laserdrucker mit Parallelanschluss.

Das ist wahrscheinlich auch besser für den Platz auf dem Schreibtisch.

Fazit

Mit dem Generic PostScript Printer von 86Box lässt sich unter Windows ME problemlos ein virtueller Drucker einrichten.

Windows verwendet dafür einen klassischen PostScript-Treiber wie den Apple LaserWriter IIf und sendet den Druckauftrag über LPT1.

86Box übernimmt die Ausgabe und speichert sie auf dem Windows-11-Host als PDF.

Damit lassen sich Dokumente aus Windows ME auch heute noch bequem weiterverwenden oder auf einem modernen Drucker ausgeben.

Für mich ist genau das der Reiz solcher Retro-Experimente:

Das alte System arbeitet wie früher – nur das Papier kommt heute als PDF heraus.

Quelle

86Box-Dokumentation – Ports (COM & LPT):
https://86box.readthedocs.io/en/v5.0/settings/ports.html