Google-Rezensionen plötzlich auf Englisch: Wenn Google deutsche Texte automatisch übersetzt

Wer in der normalen Google-Suche Rezensionen liest, kann aktuell auf ein merkwürdiges Verhalten stoßen: Deutsche Bewertungen werden automatisch ins Englische übersetzt, obwohl die Google-Oberfläche selbst auf Deutsch eingestellt ist.
Noch seltsamer wird es, wenn unter der Bewertung zwar „Übersetzt von Google · Original ansehen (German)“ steht, der Link zum Original aber schlicht nicht funktioniert.
Ich konnte das Verhalten sowohl auf einem Android-Smartphone als auch auf einem Windows-11-PC nachvollziehen.
Google Maps funktioniert – die Websuche nicht
Wichtig ist zunächst die Unterscheidung zwischen Google Maps und der normalen Google-Suche im Browser.
In der Google-Maps-App wurden die Rezensionen bei meinen Tests korrekt auf Deutsch angezeigt.
Das Problem trat dagegen in der Websuche auf, unter anderem mit:
Google Chrome unter Android
Firefox unter Windows 11
privatem beziehungsweise Inkognito-Modus
ohne angemeldetes Google-Konto
Damit lässt sich bereits einiges ausschließen. Es ist weder ein reines Samsung-Problem noch ein Fehler, der nur Chrome betrifft.
Google erkennt Deutsch – zeigt aber trotzdem Englisch
Das Kuriose: Google erkennt die Originalsprache korrekt.
Unter einer automatisch übersetzten Rezension steht beispielsweise:
Übersetzt von Google · Original ansehen (German)Google weiß also offensichtlich, dass der Text ursprünglich auf Deutsch geschrieben wurde.
Trotzdem wird standardmäßig die englische Übersetzung angezeigt.
Das kann nicht nur die eigentliche Rezension betreffen, sondern auch Antworten des Unternehmensinhabers.
Das Google-Konto war nicht die Ursache
Zuerst liegt der Verdacht nahe, dass irgendwo eine falsche Spracheinstellung hinterlegt ist.
Deshalb habe ich unter anderem geprüft:
Sprache des Google-Kontos
Chrome-Sprache
Android-Systemsprache
Sprache der Google-App
Firefox-Sprache
Spracheinstellungen der Google-Suche
Das änderte am Verhalten nichts.
Besonders aussagekräftig war der Test im privaten Browserfenster: Dort war überhaupt kein Google-Konto angemeldet, trotzdem wurden deutsche Rezensionen weiterhin ins Englische übersetzt.
Ein falsch konfiguriertes Konto scheidet damit zumindest in diesem Fall weitgehend aus.
Auch WLAN, Mobilfunk und DNS waren unauffällig
Als Nächstes lag die Vermutung nahe, dass Google den Standort über die IP-Adresse falsch erkennt.
Deshalb habe ich die Suche sowohl im WLAN als auch über die Mobilfunkverbindung getestet.
Das Ergebnis war identisch.
Auch DNS dürfte hier keine Rolle spielen. Ein DNS-Server entscheidet nicht darüber, in welcher Sprache Google einzelne Rezensionen darstellt.
hl=de ändert nichts
Normalerweise kann man Google über URL-Parameter recht eindeutig auf eine Sprache festlegen.
Mit:
hl=dewird die Oberfläche beispielsweise auf Deutsch gesetzt.
Auch das half hier nicht.
Die Google-Oberfläche blieb deutsch, die Rezension selbst wurde trotzdem automatisch auf Englisch angezeigt.
Das deutet darauf hin, dass die Übersetzungslogik der Rezensionen unabhängig von der normalen Oberflächensprache arbeitet.
Interessanter Hinweis aus den Browser-Headern
Um genauer zu verstehen, was passiert, habe ich die Netzwerkkommunikation im Browser geprüft.
Firefox sendete zunächst:
Accept-Language: en-US,en;q=0.9Das wäre eine plausible Erklärung gewesen. Google hätte daraus schließen können, dass Englisch bevorzugt wird.
Also wurde Firefox vollständig auf Deutsch umgestellt.
Danach kam nur noch:
Accept-Language: deTrotzdem blieb die Rezension auf Englisch.
Damit war ziemlich klar: Der Browser teilt Google ausdrücklich mit, dass Deutsch bevorzugt wird – Google zeigt trotzdem die Übersetzung.
Der deutsche Originaltext ist bereits geladen
Spannend wurde es beim Blick in den ausgelieferten HTML-Code.
Dort zeigte sich:
Der deutsche Originaltext ist bereits vollständig vorhanden.
Google lädt also offenbar nicht nur die englische Übersetzung, sondern beide Varianten:
den deutschen Originaltext
die englische Übersetzung
Welche davon sichtbar ist, wird anschließend über CSS beziehungsweise JavaScript gesteuert.
In der aktuell getesteten Version spielten dabei unter anderem diese Klassen eine Rolle:
.BTLoIf
.PYIBLdDer Originaltext ist also nicht verschwunden. Er wird lediglich ausgeblendet.
„Original ansehen (German)“ schaltet nicht um
Genau dafür sollte eigentlich der Hinweis:
Original ansehen (German)zuständig sein.
Technisch scheint es sich dabei nicht um einen klassischen Link zu handeln, sondern um einen JavaScript-Schalter, der zwischen Übersetzung und Original wechseln soll.
Genau dieser Umschalter funktionierte bei meinen Tests aber nicht.
Und zwar sowohl auf Android als auch unter Firefox auf Windows 11.
Das spricht ziemlich deutlich dafür, dass der Fehler in der Google-Weboberfläche selbst liegt.
Originaltext per JavaScript wieder sichtbar machen
Da der deutsche Text bereits in der Seite steckt, kann man ihn aktuell mit einem kurzen JavaScript-Befehl wieder einblenden:
document.querySelectorAll('.BTLoIf').forEach(x => x.style.setProperty('display','block','important'));
document.querySelectorAll('.PYIBLd').forEach(x => x.style.setProperty('display','none','important'));Nach dem Ausführen erscheint sofort wieder der deutsche Originaltext.
Damit lässt sich recht gut zeigen:
Nicht der Browser übersetzt die Rezension. Google liefert beide Varianten aus und zeigt lediglich die englische Version an.
Praktischer Workaround als Bookmarklet
Wer nicht jedes Mal die Entwicklertools öffnen möchte, kann daraus ein Bookmarklet machen.
Dazu ein normales Lesezeichen anlegen und als Adresse folgenden Code eintragen:
javascript:(()=>{document.querySelectorAll('.BTLoIf').forEach(x=>x.style.setProperty('display','block','important'));document.querySelectorAll('.PYIBLd').forEach(x=>x.style.setProperty('display','none','important'));})()Das Lesezeichen kann zum Beispiel heißen:
Google Rezensionen – Original anzeigenDanach reicht:
Rezension in der Google-Suche öffnen
Bookmarklet anklicken
Originaltext wird eingeblendet
Zumindest mit der aktuell getesteten Google-Oberfläche funktioniert das zuverlässig.
Auch unter Android möglich
Das gleiche Prinzip funktioniert grundsätzlich auch mit Chrome unter Android.
Dazu kann man ein bestehendes Lesezeichen bearbeiten und die Adresse durch den JavaScript-Code ersetzen.
Danach öffnet man die Rezension und ruft über die Adresszeile das entsprechende Lesezeichen auf.
Elegant ist das nicht, aber es funktioniert ohne zusätzliche App.
Warum funktioniert die Maps-App normal?
Das passt gut zum Fehlerbild.
Die Google-Maps-App verwendet nicht exakt dieselbe Oberfläche wie die Websuche im Browser.
Deshalb kann dort alles korrekt dargestellt werden, während die Rezensionen in der normalen Google-Suche falsch umgeschaltet werden.
Das erklärt auch, warum Änderungen an Browser, Konto oder Netzverbindung kaum etwas bewirken.
Kein dauerhafter Fix
Der Workaround hat allerdings einen Haken.
Er greift direkt auf interne CSS-Klassen der aktuellen Google-Seite zu.
Wenn Google diese Klassen ändert, funktioniert das Bookmarklet nicht mehr.
Es ist also keine dauerhafte Lösung, sondern eher ein technischer Notbehelf, bis Google die fehlerhafte Darstellung selbst korrigiert.
Fazit
Das Verhalten ist ziemlich eindeutig:
Google kennt die deutsche Originalsprache, lädt den deutschen Text vollständig mit, zeigt aber trotzdem automatisch die englische Übersetzung an.
Selbst mit:
Accept-Language: deändert sich daran nichts.
Zusätzlich funktioniert der eigentlich vorgesehene Schalter „Original ansehen (German)“ in den getesteten Fällen nicht.
Damit spricht vieles dafür, dass es sich um einen Fehler in der Google-Websuche handelt und nicht um ein Problem mit Android, Samsung, Firefox, Chrome, DNS oder dem Google-Konto.
Wer nur schnell Rezensionen lesen möchte, kann derzeit auf die Google-Maps-App ausweichen. Dort trat das Problem bei meinen Tests nicht auf.
Für die Websuche bleibt bis zu einer Korrektur nur der beschriebene JavaScript- beziehungsweise Bookmarklet-Workaround.