WhatsApp öffnet sich für externe KI-Agenten und Bots

WhatsApp testet eine interessante Neuerung: Künftig sollen sich externe KI-Agenten und Bots direkt in WhatsApp einbinden lassen.
Statt für einen Assistenten eine eigene App oder Webseite öffnen zu müssen, könnte man dann einfach einen ganz normalen Chat in WhatsApp starten – ähnlich wie bei einem Kontakt.
Die Funktion wird derzeit allerdings nur an eine kleine Zahl von Nutzern verteilt und ist noch nicht allgemein verfügbar.
Was genau ist ein solcher Agent?
Ein Agent kann deutlich mehr sein als ein klassischer Chatbot.
Je nach Anbieter kann er beispielsweise Fragen beantworten, Informationen aufbereiten oder bestimmte Aufgaben übernehmen. Solche Agenten können auf KI-Modellen basieren, müssen es aber nicht. Auch klassische Bots mit fest definierten Funktionen lassen sich grundsätzlich anbinden.
Interessant ist dabei vor allem, dass WhatsApp nicht nur einen eigenen Assistenten integrieren möchte, sondern offenbar auch Drittanbieter zulässt.
Damit könnte der Messenger zu einer Art Oberfläche für ganz unterschiedliche Dienste werden.
Agenten bekommen ihren eigenen WhatsApp-Chat
Die Einrichtung soll direkt über die WhatsApp-Einstellungen erfolgen.
Dort können Nutzer einen neuen Agenten anlegen und beispielsweise:
- einen Namen vergeben
- ein Profilbild festlegen
- den Agenten mit einem externen Dienst verbinden
Bis zu fünf Agenten pro WhatsApp-Konto sollen möglich sein.
So könnte man beispielsweise einen Agenten für berufliche Aufgaben, einen für Recherche und einen weiteren für persönliche Organisation verwenden.
Jeder Agent erscheint anschließend als eigener Eintrag in der Chatliste.
Verbindung über einen API-Schlüssel
Bei der Einrichtung erzeugt WhatsApp einen API-Schlüssel.
Dieser Schlüssel muss anschließend beim Anbieter beziehungsweise auf der Plattform hinterlegt werden, auf der der Agent betrieben wird. Dadurch wird die Verbindung zwischen dem Dienst und dem jeweiligen WhatsApp-Chat hergestellt.
Falls die Verbindung später zurückgesetzt werden soll, lässt sich ein neuer API-Schlüssel erzeugen.
Für normale Nutzer klingt das zunächst etwas technisch. Wie einfach die Einrichtung in der fertigen Version tatsächlich sein wird, muss sich deshalb noch zeigen.
Der Agent sieht nicht einfach alle WhatsApp-Chats
Ein wichtiger Punkt beim Datenschutz: Ein verbundener Agent erhält laut den bisherigen Informationen nicht automatisch Zugriff auf die restlichen WhatsApp-Inhalte.
Er kann nur das lesen, was innerhalb seines eigenen Chats mit ihm geteilt wird.
Andere:
- Unterhaltungen
- Kontakte
- Bilder und Videos
- Nachrichten aus Gruppen
sollen für den Agenten nicht zugänglich sein.
Aktuell funktionieren Agenten außerdem nur in Einzelchats. Sie lassen sich noch nicht zu Gruppen oder Communities hinzufügen.
Aber: Agenten-Chats sind nicht Ende-zu-Ende verschlüsselt
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied zu normalen WhatsApp-Gesprächen.
Unterhaltungen mit Drittanbieter-Agenten gelten nicht als Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Der Grund ist, dass die Nachrichten nicht ausschließlich zwischen den Geräten zweier WhatsApp-Nutzer übertragen werden. Stattdessen wird ein Dienst von Meta genutzt, um die Nachricht an den jeweiligen Agenten beziehungsweise dessen Entwickler weiterzuleiten.
Das bedeutet nicht automatisch, dass beliebige Personen mitlesen können. Der Betreiber des Agenten kann die Inhalte aber im Rahmen seines Dienstes verarbeiten.
Deshalb würde ich in solchen Chats keine besonders sensiblen Informationen eingeben.
Normale persönliche WhatsApp-Nachrichten und Anrufe zwischen Nutzern bleiben davon unberührt und weiterhin Ende-zu-Ende verschlüsselt.
KI-Antworten können natürlich falsch sein
WhatsApp weist außerdem darauf hin, dass Antworten eines KI-Agenten Fehler enthalten können.
Das ist nicht überraschend, aber trotzdem wichtig. Nur weil ein Assistent direkt in WhatsApp auftaucht, sollte man seine Antworten nicht automatisch für richtig halten.
Gerade bei wichtigen Themen sollte man Informationen weiterhin überprüfen.
Was passiert, wenn man einen Agenten entfernt?
Wird ein Agent wieder gelöscht, trennt WhatsApp die Verbindung sofort.
Neue Nachrichten können dann nicht mehr gesendet oder empfangen werden.
Der bisherige Chatverlauf bleibt allerdings erhalten und kann weiterhin gelesen werden.
Möchte man denselben Agenten später erneut verwenden, muss er neu eingerichtet und mit einem neuen API-Schlüssel verbunden werden.
Noch nicht für alle verfügbar
Die Funktion wurde mit WhatsApp Beta für Android 2.26.35.3 entdeckt.
WhatsApp verteilt sie momentan nur an eine sehr kleine Nutzergruppe in ausgewählten Ländern. Selbst mit der passenden Beta-Version muss der entsprechende Bereich deshalb noch nicht in den Einstellungen auftauchen.
Der Rollout soll über die kommenden Monate ausgeweitet werden. Einen Termin, ab wann alle WhatsApp-Nutzer darauf zugreifen können, gibt es bislang nicht.
Fazit
Die Idee ist durchaus spannend.
Wenn sich externe Assistenten künftig einfach wie ein normaler Kontakt in WhatsApp nutzen lassen, dürfte das für viele deutlich bequemer sein als ständig zwischen Apps, Webseiten und Browserfenstern zu wechseln.
Besonders interessant finde ich, dass WhatsApp offenbar nicht nur einen eigenen KI-Dienst zulassen möchte, sondern eine Schnittstelle für unterschiedliche Anbieter schafft.
Man sollte dabei aber den Datenschutz im Hinterkopf behalten: Ein Agenten-Chat ist nicht dasselbe wie ein normaler, Ende-zu-Ende verschlüsselter WhatsApp-Chat.
Für alltägliche Aufgaben kann das trotzdem eine praktische Erweiterung werden – vorausgesetzt, WhatsApp schafft es, die Einrichtung auch für normale Nutzer verständlich zu machen.